Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zur Inflation, die im Laufe des Jahres 2026 im Blog von Michael Roberts auf Englisch erschien. Quellenangaben und Verweise auf Begriffserklärungen wurden vom MagMa-Übersetzungsteam hinzugefügt.
Guglielmo Carchedi und ich arbeiten seit mehreren Jahren an einer Inflationstheorie. Vor einiger Zeit haben wir einen ausführlichen Artikel fertiggestellt, der von einer marxistischen Zeitschrift zur Veröffentlichung angenommen wurde. Da die Veröffentlichung jedoch ewig dauert, dachte ich mir, eine gekürzte Fassung unserer Arbeit auf meinem Blog veröffentlichen.
Für den Blog habe ich den Artikel in folgende Abschnitte unterteilt:
- gängige Inflationstheorien;
- heterodoxe und andere marxistische Theorien;
- unsere Theorie, genannt »Werttheorie der Inflation«; und schließlich
- eine Erörterung der Anwendung unserer Theorie auf den jüngsten Inflationsanstieg seit Fertigstellung der Abhandlung.
Lasst mich mit dem ersten Teil beginnen: den Mainstream-Theorien.
Für die Mainstream-Ökonomie sind die Ursachen der Inflation seit jeher ein Rätsel. So schrieb Wolfgang Münchau 2020 in der »Financial Times«:
»Die Zentralbanker verstehen nicht wirklich, wie Inflation funktioniert. Es gibt viele Theorien und Ansätze, sowohl theoretischer als auch statistischer Art, aber keine davon konnte nachhaltig erklären, was in der realen Welt vor sich geht.«1
Charles Goodhart von der London School of Economics äußerte sich 2021 noch deutlicher:
»Die Welt befindet sich derzeit in einem wirklich ziemlich außergewöhnlichen Zustand, da wir keine allgemeine Inflationstheorie haben.«2
Warum ist das so? Weil es den konventionellen bzw. Mainstream-Theorien zur Inflation nicht gelungen ist, eine robuste Erklärung für Preisänderungen bei Waren und Dienstleistungen in modernen Volkswirtschaften zu liefern.
Die gängigen Ansichten zur Inflation lassen sich in drei Gruppen untergliedern:
- die monetaristische Theorie;
- keynesianische Theorien der »Überschussnachfrage«/des Kostendrucks; und
- die von Zentralbanken angewandte Theorie der Inflationserwartungen.
Nach der monetaristischen Inflationstheorie ist Inflation ein rein monetäres Phänomen, das durch Veränderungen der Geldmenge3 im Verhältnis zu den Veränderungen der Produktionsmenge bestimmt wird. Der führende Monetarist Milton Friedman argumentierte:
»Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen in dem Sinne, dass sie nur durch einen schnelleren Anstieg der Geldmenge relativ zur Produktionsmenge entsteht und entstehen kann.«4
Die monetaristische Sichtweise basiert auf einer mathematischen Identität MV = PY, mit M als Geldmenge, V als Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (die angibt, wie häufig Geld innerhalb der Wirtschaft die Hände wechselt), P als allgemeines Preisniveau und Y als Menge der in der Volkswirtschaft gehandelten realen Güter. MV ergibt die Menge des umlaufenden Geldes und PY das nominale Gesamteinkommen in der Volkswirtschaft. Der Monetarismus geht davon aus, dass die linke Seite der Gleichung die rechte Seite bestimmt. Bei gleich bleibender Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) kommt es daher zu einer Preisinflation, wenn M schneller wächst als Y. Veränderungen von M führen somit zu Veränderungen von P.
Diese Gleichung ist jedoch eine Identität; die Richtung der Verursachung lässt sich nicht voraussetzen. Marx’ Position stand im Gegensatz zur monetaristischen Sichtweise. Für Marx ist Geld nicht Wert, sondern die Repräsentation von Wert. Es sind die Veränderungen des Wertes bzw. des Preises der Waren, die die umlaufende Geldmenge bestimmen.
»Die Geschwindigkeit der Zirkulation vorausgesetzt, ist die Masse der Zirkulationsmittel also einfach bestimmt durch die Preise der Waren. Preise sind also nicht hoch oder niedrig, weil mehr oder weniger Geld umläuft, sondern es läuft mehr oder weniger Geld um, weil die Preise hoch oder niedrig sind.«5
Veränderungen bei P (Produktionspreisen) bestimmen Veränderungen von MV (Geldmenge im Umlauf). Und die Preise ändern sich infolge von Wertveränderungen (Y), gemessen an der Arbeitszeit, die zur Herstellung aller Waren aufgewendet wird. Steigt oder fällt der Wert der Waren (d.h., ist mehr oder weniger Arbeit für ihre Herstellung erforderlich), so wird mehr oder weniger Geld für ihren Umlauf benötigt. Das liegt daran, dass Geld die Repräsentation des Werts ist, nicht der Wert selbst, der aus dem Aufwand menschlicher Arbeit stammt, nicht aus dem Geld.
Wer liegt richtig, Friedman oder Marx? Führen Veränderungen von MV zu Veränderungen von PY oder umgekehrt? Besteht eine enge Korrelation zwischen Veränderungen der Geldmenge (M) und Preisänderungen (P)?
Abbildung 1 zeigt die jährlichen prozentualen Veränderungen der US-Geldmenge (M2) und der Inflation, angegeben als »impliziter« BIP-Deflator.6 Die Korrelation zwischen beiden scheint bis in die 1990er Jahre relativ eng zu sein. Seitdem hat sich das Wachstum der US-Geldmenge jedoch tendenziell beschleunigt, während sich die Veränderung des BIP-Deflators verlangsamte. Es gab sogar eine negative Korrelation. Über den gesamten Zeitraum seit 1960 war die Korrelation zwischen Geldmengen- und Preisveränderungen gering (0,21).
Abbildung 1
Quelle: Federal Reserve Economic Data (FRED), Berechnungen des Autors
Ein entscheidender Faktor für die schwache Korrelation zwischen Veränderungen der Geldmenge und Preisänderungen besteht darin, dass verfügbare Geldmenge und Geldumlauf nicht dasselbe sind. Das Horten von Geld und die Verwendung von Geld zum Kauf von Finanzanlagen können den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen erheblich beeinflussen. Wie Abbildung 1 zeigt, deutet die seit Mitte der 1990er Jahre zunehmende Kluft zwischen dem Wachstum der Geldmenge und des BIP-Deflators tatsächlich auf eine Umleitung von Geld aus produktiven Vermögenswerten in Finanzanlagen hin.
Friedmans monetaristische Theorie reicht somit nicht aus, um die Inflation in den USA in der Nachkriegszeit zu erklären. In einem späteren Beitrag werde ich aufzeigen, dass es die Veränderungen der Produktionspreise (bzw. des Warenwerts) sind, die die umlaufende Geldmenge bestimmen – genau das Gegenteil des Monetarismus.
Die zweite Mainstream-Theorie ist die keynesianische. Unter den Mainstream-Erklärungen ist sie vorherrschend. Ein klassisches Beispiel für die »Kostendruck«-Version dieser Theorie lieferte kürzlich Jason Fulman, ehemaliger Wirtschaftsberater des Weißen Hauses:
»Wenn die Löhne steigen, führt dies zu einem Preisanstieg. Wenn die Preise für Flugbenzin oder Lebensmittelzutaten steigen, erhöhen Fluggesellschaften oder Restaurants ihre Preise. Ebenso erhöhen sie ihre Preise, wenn die Löhne für Flugbegleiter oder Kellner steigen. Das ergibt sich aus grundlegendem Mikro [Mikroökonomik] und dem gesunden Menschenverstand.« (Fulman, 2022)7
Die Ursachen der Inflation sind offenbar steigende Rohstoffkosten und die Bestrebungen der Lohnabhängigen, höhere Löhne zu erzielen. Dies zwingt die Unternehmen dazu, die Preise anzuheben, um ihre Gewinne zu sichern. Das ist die Theorie der Kostendruck-Inflation.
Marx antwortete bereits 1865 auf diese Theorie. In einer Debatte mit dem Gewerkschafter Weston, der behaptete, Lohnerhöhungen verursachten Inflation, führte Marx aus, dass steigende Löhne die »Abwehraktion der Arbeit gegen die vorhergehende Aktion des Kapitals« sind und in der Regel »ein Ringen um Lohnsteigerung nur als Nachspiel vorhergehender Veränderungen vor sich geht«.8
Fulman übersieht zudem, dass die Preiseffekte von Löhnen oder Materialkosten durch geringere Profite ausgeglichen werden könnten. Ist eine bestimmte Wertmenge gegeben, können die Preise bei steigenden/fallenden Löhnen unverändert bleiben, wenn die Profite steigen/sinken. Fulmans Argument setzt voraus, dass die Rentabilität »um jeden Preis« aufrecht erhalten werden muss.
Eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Jahr 2022 ging dieser Frage nach, indem sie eine länderübergreifende Datenbank vorangegangener Phasen der Lohn/Preisentwicklung in Industrieländern seit den 1960er Jahren heranzog. Sie kam zu dem Ergebnis, dass
»Lohn-Preis-Spiralen – zumindest definiert als anhaltende Beschleunigung von Preisen und Löhnen – in der jüngeren Geschichte kaum zu finden sind. Von den 79 identifizierten Phasen mit steigenden Preisen und Löhnen seit den 1960er Jahren kam es nur in wenigen Fällen zu einer weiteren Beschleunigung nach acht Quartalen. Darüber hinaus ist eine anhaltende Lohn-Preis-Beschleunigung noch seltener zu finden, wenn man Phasen betrachtet, die der heutigen Situation ähneln, in denen die Reallöhne deutlich gesunken sind. In diesen Fällen tendierten die Nominallöhne dazu, mit der Inflation Schritt zu halten, um die Reallohnverluste teilweise auszugleichen, und die Wachstumsraten stabilisierten sich tendenziell auf einem höheren Niveau als vor der anfänglichen Beschleunigung. Die Lohnwachstumsraten standen letztlich im Einklang mit der beobachteten Inflation und der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Dieser Mechanismus schien nicht zu einer anhaltenden Beschleunigungsdynamik zu führen, die als Lohn-Preis-Spirale charakterisiert werden kann.«9
In Inflationsphasen versuchen die Löhne lediglich, mit den Preisen Schritt zu halten. Doch selbst dann verursachen Lohnerhöhungen keine »Lohn-Preis-Spiralen« – dies entspricht der Auffassung von Marx im Jahr 1865.
Eine Variante der keynesianischen Sichtweise ist die »Überschussnachfrage«-Theorie der Inflation, laut der aus einer »positiven Produktionslücke« ein Inflationsdruck entsteht – d. h., wenn das tatsächliche BIP das »potenzielle BIP« übersteigt, das als Produktion an der Grenze der Produktionskapazität unter Vollbeschäftigung definiert ist.10 Die Inflation resultiert demnach aus einer »übermäßigen Nachfrage« in einer Volkswirtschaft (d.h. aus einer oberhalb der Grenze der Angebotskapazität liegenden Nachfrage). Diese »übermäßige Nachfrage« könnte auf eine expansive staatliche Finanzpolitik oder auf schnell steigende Löhne bei Vollbeschäftigung zurückzuführen sein, verstärkt durch einen Rückgang des »potentiellen BIP«, möglicherweise aufgrund von Engpässen in den Lieferketten und Energieschocks.
Welche Belege gibt es für diese Theorie der »übermäßigen Nachfrage«? Keynes-Gesinnte verweisen auf einen »Trade-Off« zwischen Veränderungen bei Löhnen und Preisen und/oder Veränderungen bei Erwerbslosigkeit und Preisen. Ersteres würde eine positive Korrelation aufweisen, Letzteres eine inverse Korrelation.
Grafisch dargestellt würde dieser Trade-off die Form einer Kurve annehmen, wie sie erstmals 1958 A. W. Phillips mit seiner sogenannten Phillips-Kurve vorlegte.11 Die Daten zur US-Wirtschaft der Nachkriegszeit zeigen jedoch, dass die Phillips-Beziehung keineswegs eine Kurve (d.h. einen Trade-Off) darstellt, sondern im Großen und Ganzen flach verläuft. Hier ist unsere eigene Berechnung für die USA:
Abbildung 2
Erwerbslosigkeit und Verbraucherpreisindex (CPI – Consumer Price Index) in den USA
Quelle: FRED, Berechnungen des Autors
Auch andere empirische Studien zeigen, dass die Phillips-Kurve im Großen und Ganzen flach verläuft – mit anderen Worten: Es besteht keine inverse Korrelation zwischen Löhnen oder Preisen und Erwerbslosigkeit. Die Präsidentin des US-Zentralbank-Distriktvorstands (Federal Reserve Board) von San Francisco, Daly, stellte fest, dass »der Zusammenhang zwischen Erwerbslosigkeit und Inflation schwer erkennbar geworden ist«.12 Borio, Ökonom bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), stimmt dem zu: »Die Reaktion der Inflation auf einen Indikator für die Unterauslastung des Arbeitsmarktes hat tendenziell abgenommen und ist statistisch nicht mehr von Null zu unterscheiden.«13 Kürzlich kam er zu dem Schluss: die »Inflation hat sich als äußerst unempfindlich gegenüber konjunkturellen Schwächen erwiesen […] die Phillips-Kurve hat sich als sehr flach erwiesen«.14
Auch der ehemalige Vorsitzende der Federal Reserve, Jay Powell, räumte das Problem ein: »Es gab eine Zeit, in der ein enger Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation bestand. Diese Zeit ist längst vorbei.« (Powell 2021)15
Zu dieser unbequemen Schlussfolgerung waren bereits zuvor zwei prominente Mainstream-Ökonomen gelangt. Solow (2018) merkte an, dass »die Steigung der Phillips-Kurve seit den 1980er Jahren immer flacher geworden ist und mittlerweile recht gering ist.«16 Gordon (2018) pflichtete ihm bei: »In den letzten zehn Jahren hat sich die Steigung der kurzfristigen Phillips-Kurve abgeflacht.«17
Warum also verbreiten Fachleute der Wirtschaftswissenschaften und Zentralbanken weiterhin eine Theorie, die kaum empirisch gestützt ist? Gavyn Davies, ein Keynesianer und ehemaliger Chefökonom bei Goldman Sachs, erklärte es so:
»Ohne die PC [Phillips Curve/Phillips-Kurve] wirkt das gesamte komplizierte Konstrukt, auf dem die Politik der Zentralbanken beruht, plötzlich sehr wackelig. Aus diesem Grund werden die politisch Entscheidenden die PC nicht ohne Weiteres aufgeben« (Davies 2017).18
Doch die Theorie wird nicht weniger wackelig, wenn man die empirischen Belege gegen sie leugnet.
Die dritte Mainstream-Inflationstheorie ist noch schwächer. Sie wird von Zentralbanken und internationalen Organisationen vertreten. Es handelt sich um die Theorie der Inflationserwartungen. Nach ihr wird die Inflation durch die Psychologie der Wirtschaftsbeteiligten verursacht. Steigen die Preise, so steigen auch die Erwartungen hinsichtlich weiterer Preissteigerungen, was zu einer Beschleunigung der Inflation führt. Der IWF formuliert es wie folgt:
»Sowohl Veränderungen der aktuellen als auch der erwarteten Inflation können durch Veränderungen der Erwartungen hinsichtlich der künftigen Wirtschaftslage bedingt sein. Gehen beispielsweise Unternehmen und Haushalte davon aus, dass die Wirtschaft in naher Zukunft in eine Rezession geraten wird und die Inflation niedriger sein wird als heute, werden sie bereits jetzt damit beginnen, ihre Konsum- und Investitionsausgaben einzuschränken, was bereits heute einen Abwärtsdruck auf die Inflation ausübt.«19
Die Erwartungen von Konsumierenden oder Haushalten hinsichtlich eines Inflationsanstiegs liefern jedoch keine Erklärung dafür, weshalb die Preise überhaupt steigen. Der Ökonom Rudd von der Federal Reserve bezeichnet es als »nicht überraschend, dass die wenigen uns vorliegenden Belege darauf hindeuten, dass Unternehmen Prognosen zur gesamtwirtschaftlichen Lage, einschließlich der Inflation, kaum Beachtung schenken.«20
Ja, wenn die Inflation langfristig sinkt, dann werden Haushalte und Unternehmen – »nicht überraschend« – einen Rückgang der Inflation erwarten. Es besteht also »eine vielsagende Korrelation niedriger Frequenz zwischen einer Schätzung des langfristigen stochastischen Inflationstrends und Umfragewerten zur langfristig erwarteten Inflation«.21
In der zugehörigen Grafik ist zu erkennen, dass mit dem Rückgang der Inflation auch die Erwartungen bzw. Prognosen hinsichtlich einer nachlassenden Inflation sinken. Allerdings richten sich die Erwartungen nach den Inflationsraten und nicht umgekehrt.

Abbildung 3
Langfristige Inflationserwartungen und langfristiger Inflationstrend
Quelle: Jeremy B. Rudd22
Rudd kommt zu folgendem Schluss:
»Wirtschaftsfachleute und wirtschaftspolitisch Entscheidende sind der Ansicht, dass die Erwartungen von Haushalten und Unternehmen hinsichtlich der künftigen Inflation ein entscheidender Faktor für die tatsächliche Inflationsentwicklung sind. Eine Auswertung der einschlägigen theoretischen und empirischen Literatur legt jedoch nahe, dass diese Ansicht auf äußerst wackeligen Füßen steht, und es lässt sich argumentieren, dass ein unkritisches Festhalten daran leicht zu schwerwiegenden politischen Fehlentscheidungen führen könnte.«23
Zentralbanken sollten das zur Kenntnis nehmen.
Wir haben also drei Mainstream-Theorien der Inflation: den Monetarismus, die keynesianische Theorie des Kostendrucks und der »Überschussnachfrage« sowie die Erwartungstheorie – von denen keine überzeugend ist oder durch empirische Belege gestützt wird. Kein Wunder, dass die Mainstream-Ökonomie »keine allgemeine Inflationstheorie« hat.
Im nächsten Teil werde ich heterodoxe und andere marxistische Theorien zu den Ursachen der Inflation erörtern.
Quellen/Worterklärungen
1 Wolfgang Münchau: A flexible inflation target is not a panacea (Financial Times 19.7.2020)
2 ECB Forum on Central Banking 2021: Part 4 - Panel 1: The future of inflation
4 Milton Friedman: Money Mischief – Episodes in Monetary History (Harcourt Trade Publishers 1992)
5 MEW Band 13, S. 86
6 Lexikon der Wirtschaft: Bruttoinlandsprodukt – Wikipedia: BIP-Deflator
8 Marx: Lohn – Preis – Profit, S. 30 – englische Version S. 113. Roberts zitiert mit: »wage rises generally happen in the track of previous price rises«. Vollständiger lautet das Zitat (inhaltsgleich auch im Englischen): »In allen Fällen, die ich einer Betrachtung unterzogen habe – und sie machen 99 vom Hundert aus –, habt ihr gesehn, dass ein Ringen um Lohnsteigerung nur als Nachspiel vorhergehender Veränderungen vor sich geht und das notwendige Ergebnis ist von vorhergehenden Veränderungen im Umfang der Produktion, der Produktivkraft der Arbeit, des Werts der Arbeit, des Werts des Geldes, der Dauer oder der Intensität der ausgepressten Arbeit, der Fluktuationen der Marktpreise, abhängend von den Fluktuationen von Nachfrage und Zufuhr und übereinstimmend mit den verschiednen Phasen des industriellen Zyklus – kurz, als Abwehraktion der Arbeit gegen die vorhergehende Aktion des Kapitals. Indem ihr das Ringen um eine Lohnsteigerung unabhängig von allen diesen Umständen nehmt, indem ihr nur auf die Lohnänderungen achtet und alle andern Veränderungen, aus denen sie hervorgehn, außer acht lasst, geht ihr von einer falschen Voraussetzung aus, um zu falschen Schlussfolgerungen zu kommen« – nämlich, dass Lohnkämpfe zwecklos sind, weil sie bei Erfolg sowieso nur zu Preiserhöhungen führen.
9 J A Alvarez, J C Bluedorn et al.: Wage-Price Spirals: What is the Historical Evidence? IMF Working Papers WP/22/221, Nov 2022, S. 18
10 Wikipedia: Produktionslücke
11 Wirtschaft – animiert kapiert: Phillips-Kurve
12 Mary Daly, Bemerkungen vom 29. August 2019, zitiert bei Kristie M. Engemann: What Is the Phillips Curve (and Why Has It Flattened)? FED St. Louis 14.1.2020
13 Claudio Borio: Through the looking glass, OMFIF City Lecture 2017, S. 2/21
14 Claudio Borio: When the unconventional becomes conventional, BIS-Vortrag 30.9.2020, Frankfurt
15 Mitschrift der Pressekonferenz von Powell, 17.3.2021, S. 25
16 Robert Solow: A theory is a sometime thing, Review of Keynesian Economics 6/4, Oct 2018, DOI 10.4337/roke.2018.04.02, S. 423
17 Robert J. Gordon: Friedman and Phelps on the Phillips curve viewed from a half century’s perspective, Review of Keynesian Economics 6(4):425-436, October 2018, DOI 10.4337/roke.2018.04.03, S. 425
18 Gavyn Davies: The (non) disappearing Phillips Curve: why it matters, Financial Times 22.10.2017
19 International Monetary Fund. Research Dept.: World Economic Outlook, October 2016 – Subdued Demand: Symptoms and Remedies, Chapter 3. Global Disinflation in an Era of Constrained Monetary Policy
20 Jeremy B. Rudd: Why Do We Think That Inflation Expectations Matter for Inflation? (And Should We?), Finance and Economics Discussion Series Divisions of Research & Statistics and Monetary Affairs Federal Reserve Board, Washington, D.C., 23.9.2021, Anmerkung 22 Seite 10
21 Jeremy B. Rudd: Why Do We Think That Inflation Expectations Matter for Inflation? (And Should We?), Seite 10
22 Jeremy B. Rudd: Why Do We Think That Inflation Expectations Matter for Inflation? (And Should We?), Seite 24. Die Erwartungen der privaten Haushalte entsprechen den medianen Langzeiterwartungen aus der Michigan-Umfrage (University of Michigan, Survey Research Center, Surveys of Consumers, http://new.sca.isr.umich.edu/). Die professionellen Erwartungen einer Umfrage der Federal Reserve Bank Philadelphia.
23 Jeremy B. Rudd: Why Do We Think That Inflation Expectations Matter for Inflation? (And Should We?), Abstract
Bild: Brotkauf 1923 in Deutschland, Wikimedia Commons | Will Potter



Warum gibt es Inflation? Weil das ein weiteres Mittel ist, neben Steuern, Zinsen und dem Verkauf von nutzlosen Dingen und unnötigen Dienstleistungen, uns Geld (letzlich Arbeitsleistung) aus der Tasche zu ziehen.
Alle diese Elemente dienen einem Prinzip: Geld von »unten« nach »oben« fliesen zu lassen.
Die »Oberen« wären doch auch von der Inflation betroffen? Hahahahaha. Ein lächerlicher Einwand. Inwiefern wird der Börsenwert von Tesla, Amazon, Meta oder Starlink durch Inflation verringert?
Inflation trifft nur den, der Werte in Form von Geld (Bargeld, Konten, Sparbücher) hält. Die Finanzoligarchie macht das in nur geringem Umfang und höchstens kurzzeitig.
Also: wir werden ausgenommen wie die Weihnachtsgans, mit den unterschiedlichsten Tricks.
Für was brauche ich da eine Theorie der Inflation? Sie ist ein gewünschtes Systemelement um uns auszunehmen. Fertig.
In einem Finanzsystem, in dem sich die Gemeinschaft selbst die Mittel bereitstellt, um Gemeinschaftsaufgaben zu bewerkstelligen, ohne einen schmarotzenden Zinsnehmer dazwischen, würde es keine Inflation geben. So einfach ist das.
Eine Kredittheorie: für was braucht man Kredite? Kredite braucht man, um größere Projekte zu realisieren als man sie aus eigener Kraft realisieren kann. Mit dem Geld des Kredits kauft man sich die Arbeitskraft anderer Menschen entweder in Form derer Mitarbeit oder in Form von von denen hergestellten Produkten.
Es geht bekanntlich auch anders. Wenn bei den Amish eine Scheune gebraucht wird, so helfen alle zusammen, diese zu bauen. Das Holz kommt aus gemeinsamer Arbeit. Vielleicht sogar die Nägel. Warum machen die das? Weil es sich um ein Projekt handelt, das letzlich allen in der Gemeinschaft dient. Es entsteht dabei keine Abhängigkeit gegenüber einem Kreditgeber, keine Zinsen, das Risiko, dass die Scheune wegener Fehlkonstruktion nachher zusammenbricht, tragen alle gemeinsam.
Also: es ist zivilisatorisch wünschenwert, überindividuelle Projekte zu förder. Dafür hat der Kapitalismus den Kredit und die Zinsenknechtschaft erfunden. Und davon profitieren Leute, die an den Gemeinschaften schmarotzen ohne selbst einen Wert beizutragen. Diese Leute bilden einen kleinen Kreis und schließen die Mehrheit durch Kontrolle der Politik gezielt aus, etwa durch ein Bankenprivileg und andere Regulierungen.
Das ist die Finanzoligarchie. Und wir sind deren Sklaven.
Würde eine Gemeinschaft (etwa als Staat organisiert) sich selbst Kredite ausgeben (ohne Geld daran verdienen zu wollen!) für Projekte, die als Gemeinwohl-förderlich angesehen werden, so gäbe es dort keine schmarotzende Schicht, keine Fremdbeherrschung, keine Ausbeutung, keine Inflation.
und solche Texte wie ganz oben dienen nur einem: die einfachen Zusammenhänge durch Verlabern und Verkomplizierung zu verschleiern. Das ist sowieso die Hauptaufgabe der Akademiker und »Intellektuellen« allüberall.