In den letzten drei Jahren war Westasien von Kriegen im Gazastreifen, in Syrien, im Libanon und im Iran betroffen, die sich bis in den Jemen, nach Jordanien und in die Golfstaaten ausweiteten. Diese Kriege dauern noch an.
In unserem Blog wurde versucht, die Entwicklungen in Westasien zeitnah zu analysieren und sie nicht als isolierte Ereignisse zu betrachten, sondern als schrittweise Entfaltung eines erbitterten Kampfes zwischen dem Imperialismus und den Völkern der Region [alle erwähnten Texte liegen als Übersetzungen in der MagMa vor]. In der Flut der Berichterstattung über diese Kriege bleibt oft im Verborgenen, dass trotz der schrecklichen militärischen Macht des US-Imperialismus und seines regionalen Handlangers Israel die Waffen in diesem Krieg nicht alles entscheiden. Zwar stellen Waffen einen wichtigen Faktor dar, doch letztendlich kommt es nicht auf Dinge, sondern auf Menschen an.
Der erste Beitrag, »Gaza 2023: Hightech-Krieg in neuem Licht« (14. November 2023), entstand kurz nach der Operation der Hamas vom 7. Oktober 2023. Trotz fortschrittlicher Militärtechnologie und umfangreicher Ressourcen war es Israel nicht gelungen, einer Low-Tech-Operation der Hamas entgegenzuwirken. Israel war nicht in der Lage, die Hamas militärisch zu besiegen, da diese die Prinzipien der Guerillakriegsführung studiert und übernommen hatte. Aus diesem Grund war es zu einem Strafkrieg umgeschwenkt, der auf die Tötung von Zivilisten in großem Umfang und die Zerstörung der zivilen Infrastruktur abzielte. Die Kriegführung erfolgte nicht allein durch Israel: Der US-Imperialismus war direkt beteiligt und bereitete »sich eindeutig auf einen größeren Krieg vor«: »Angesichts dieses Ungleichgewichts der militärischen Kräfte könnte sich die Hamas auf andere Faktoren stützen, die weniger militärischer als politischer Natur sind. Der wichtigste dieser Faktoren ist die öffentliche Stimmung in der Welt und insbesondere in der Region.«
Mehr als ein Jahr später erfolgte der Sturz der legitimen Regierung Syriens unter der Führung von Bashar al-Assad durch direkte Unterstützung der türkischen Machthaber und indirekte Unterstützung des US-Imperialismus. In Damaskus wurde eine terroristische Junta eingesetzt. Die weltweiten Medien stellten diese Operation zum Regimewechsel als Befreiung Syriens von einem Diktator dar. »Das Fest der Schakale« (29. Dezember 2024) zeigte, dass die Entwicklungen in Syrien seit 2011 eine systematische imperialistische Aggression gegen dieses Land darstellten. Unter diesen Umständen stellte die Assad-Regierung objektiv den Widerstand der syrischen Nation gegen diese Aggression dar. Darüber hinaus war der Sturz des Assad-Regimes Teil einer Strategie, die der US-Imperialismus seit 2003 verfolgte, um die gesamte westasiatische Region zu seinen Gunsten umzugestalten. Entgegen den Hoffnungen vieler spielte die BRICS-Gruppe hier keine positive Rolle. Russland, das der Assad-Regierung zuvor entscheidende militärische Hilfe geleistet hatte, wirkte nun an ihrem Sturz mit. Bezeichnenderweise stellte der Sturz Assads – kurz nach der Tötung der Führung der Hamas (Gaza) und der Hisbollah (Libanon) – den dritten großen Rückschlag für die vom Iran angeführte »Achse des Widerstands« in Westasien dar.

Im Juni 2025 führten die USA und Israel einen direkten militärischen Angriff auf den Iran durch. In »Die Hintergründe der Invasionen im Irak, in Libyen, Syrien, Gaza, Libanon und jetzt im Iran« (26. Juni 2025) wurde dies in einen breiteren Kontext gestellt, indem auf das 2003 erschienene Buch der RUPE Behind the Invasion of Iraq verwiesen wurde, in dem die Pläne des US-Imperialismus für die Region dargelegt worden waren. Seitdem erfolgte die Führung von Kriegen gegen den Irak, Syrien und Libyen durch Bush, Obama, Biden und Trump. Darüber hinaus führte Israel, der regionale Gendarm der USA, Kriege gegen den Libanon, Syrien und den Jemen, ganz zu schweigen von Gaza und dem Westjordanland.
So ist »die jüngste direkte Aggression der USA gegen den Iran […] weder auf das iranische Atomprogramm als solches zurückzuführen, noch ist sie das Ergebnis einer Täuschung Trumps durch Netanjahu oder der Macht der Israel-Lobby in den USA. Vielmehr handelt es sich um einen weiteren Schritt in dem Vorhaben, die Hegemonie der USA über die Region wiederherzustellen, als wichtiger Bestandteil der Festigung ihrer globalen Hegemonie.«
Der Kampf und die Opfer der Bevölkerung von Gaza hatten Auswirkungen weit über Westasien hinaus; denn Menschen auf der ganzen Welt, sogar in imperialistischen Ländern, identifizierten sich mit der Bevölkerung von Gaza und sahen in den Mördern von Gaza ihre eigenen Herrscher. In »Die Bedeutung des Generalstreiks in Italien« (24. September 2025) wurde festgestellt, dass der landesweite Streik der klassenbewussten italienischen Arbeiter, mit dem sie der Komplizenschaft der italienischen Regierung am Völkermord in Gaza entgegentraten und diese anprangerten, ein Ereignis von großer historischer Tragweite war. Denn dies war die erste große Aktion der Arbeiterklasse zur Unterstützung der Palästinenser; »wir müssen abwarten, wie sich seine volle Bedeutung entfaltet.«
Einige Kommentatoren behaupteten, die Hamas habe mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands im Gazastreifen eine Kapitulation vollzogen, die Akzeptanz ihrer Niederlage bekundet und sich einer Art Kolonialherrschaft unterworfen. »Die Waffenruhe in Gaza deuten« (18. Oktober 2025) zeigte, dass sich die Hamas als nationale Befreiungsbewegung verstand; es war ihr gelungen, die israelische Armee daran zu hindern, ihre Ziele zu erreichen; und dieses bemerkenswerte Ergebnis hatte den Weg für einen letztendlichen Sieg des palästinensischen Widerstands geebnet, der mit einem umfassenderen politischen Kampf verbunden war. Der militärische Kampf der Hamas stellt ein herausragendes Beispiel für Guerillakampf (hinsichtlich Taktik, Waffen, Infrastruktur und Kampfkraft) unter den spezifischen Bedingungen im Gazastreifen dar.
Schließlich gibt es eine Wende in der internationalen Lage. In den USA selbst ist eine wachsende Ablehnung der Bevölkerung gegenüber dem zionistischen Staat und dessen Völkermord an den Palästinensern zu beobachten. »Die Palästinenser leisten seit 75 Jahren Widerstand gegen die Kolonialisierung und haben nun weitere zwei Jahre lang gegen einen regelrechten Völkermord gekämpft. Mit ihren Körpern ist es ihnen gelungen, eine der mächtigsten Militärmaschinen der Welt aufzuhalten, Unterstützung aus der ganzen Welt zu mobilisieren und dabei den Imperialismus selbst zu schwächen. Ihr Kampf ist noch lange nicht vorbei. Es bleibt abzuwarten, ob die Menschen weltweit sich der aktuellen Situation gewachsen zeigen.«
Im Dezember 2025 kam es dann im Iran zu Protesten gegen Preissteigerungen, die ihrerseits durch brutale US-Sanktionen gegen den Iran verursacht worden waren. Diese Proteste wurden jedoch von zwielichtigen Kräften manipuliert, die Vandalismus und Brandstiftung verübten, um eine Überreaktion der iranischen Regierung zu provozieren. Als die Regierung die Unruhen niederschlug, verbreiteten die imperialistischen Medien und internationale NGOs erfundene Zahlen, wonach Zehntausende getötet worden seien. »Propaganda als Teil einer Invasion« (30. Januar 2026) argumentierte, dass diese Propaganda selbst Teil der Vorbereitungen für eine imperialistische Invasion des Iran sei, die nicht mehr fern sei. Verschiedene »linke« Politiker und Kommentatoren beeilten sich, die iranische Regierung auf der Grundlage dieser erfundenen Zahlen zu verurteilen: »Das bedeutet lediglich, dass sie zwar effektiv am Propagandakrieg teilnehmen, aber Kriegsdienstverweigerer im militärischen Krieg sind.«
Mit Beginn der Aggression der USA und Israels ergab sich die Möglichkeit, die tatsächlichen Ansichten des iranischen Volkes zu erkennen.
Kurz darauf erfolgte eine erneute US-israelische Aggression gegen den Iran, verbunden mit der Ermordung eines Großteils der politischen und militärischen Führung dieses Landes. »Der Krieg gegen den Iran – und Indien« (5. März 2026) wies darauf hin, dass dies Teil eines Vorstoßes des US-Imperialismus war, seine militärische und wirtschaftliche Hegemonie über die Welt wieder zu behaupten, vor allem durch Angriffe auf die Dritte Welt.
Länder, die sich dem US-Imperialismus widersetzen, werden militärisch überfallen; Länder, deren Herrscher sich ihm unterwerfen und um Gnade bitten, wie beispielsweise Indien, werden wirtschaftlich überfallen. Sollte der Widerstand des Iran und seiner Verbündeten dieser Aggression standhalten und dadurch über die Aggressoren triumphieren, wäre dieser Sieg überall dort zu spüren, wo Länder vom US-Imperialismus unterdrückt werden. »Der Widerstand, den der Iran leistet, ist also nicht nur der Widerstand des Iran allein.«
Die Invasion des Iran hatte enorme Auswirkungen auf Indien; tatsächlich hätte jede Staatsmacht, der das Wohl ihrer Bürger am Herzen liegt, aktive diplomatische Anstrengungen unternommen, um den Krieg zu verhindern. Doch von den Machthabern Indiens erfolgte das Gegenteil. Sie erklärten, Indien stehe an der Seite Israels – was bedeutete, dass sie, die Machthaber, an der Seite der USA standen. Da sich die indische Großindustrie entschlossen hat, sich dem US-Imperialismus anzuschließen, bestimmt dies die Haltung der indischen Machthaber.
Obwohl der Iran heute wiederholten gemeinsamen Angriffen durch die mächtigste Militärmacht der Welt (die USA) und die mächtigste Militärmacht der Region (Israel) ausgesetzt ist, hat er sich nicht unterworfen, sondern leistet weiterhin Widerstand. Eine Strömung von Millionen Menschen auf die Straßen des Iran hat den Widerstand gegen die Angreifer zum Ausdruck gebracht. In diesem Sinne hat sich das jüngste Unterfangen der USA als Fehlschlag erwiesen. »Die politischen Grundlagen der iranischen Militärstrategie« (12. April 2026) erläutert die Art des Widerstands der iranischen Regierung: ihre Methoden, ihren strategischen Ansatz und vor allem ihre politischen Grundlagen – die bewusste Unterstützung und spontane Mobilisierung des iranischen Volkes.
»Indem die iranische Regierung das iranische Volk zur Unterstützung ihres Widerstands mobilisiert hat, hat sie zudem einen politischen Prozess in Gang gesetzt, der potenziell weitreichende Folgen haben könnte. Nun ist der iranische Staat stärker auf die Unterstützung des Volkes angewiesen, während dieses seinerseits mehr politische Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zeigt. […] Ein konsequenter Kampf gegen den Imperialismus erfordert die demokratische Mitwirkung der Massen; und sobald das Volk in Aktion tritt, hat es das Potenzial, seine Gesellschaft und seine Welt in jeder Hinsicht zu gestalten und neu zu formen.«
In den vorangegangenen Artikeln wurde versucht, eine schlüssige Interpretation dieser Ereignisse zu vermitteln. Dabei wurde bei jedem Schritt die entscheidende Rolle der Menschen hervorgehoben – nicht nur der Dinge, auch wenn diese (wie beispielsweise Waffen) wichtig sind. Insbesondere wurde die Schlüsselrolle der Massen in den Ländern der Dritten Welt beim Widerstand gegen den Ansturm des Imperialismus betont. Dies kann sehr unterschiedliche Formen annehmen – wie etwa die bewaffnete Aufständischenorganisation Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah-Streitkräfte im Libanon, die baathistische Regierung in Syrien, die Ansarallah-Regierung im Jemen oder die islamische Regierung im Iran –, doch ist ein Blick über die spezifischen Formen hinaus auf den zugrunde liegenden Inhalt erforderlich, nämlich den Widerstand der unterdrückten Massen gegen den Imperialismus. Dies zeigt sich nicht nur in den verschiedenen Manifesten und Erklärungen dieser Organisationen und staatlichen Kräfte (obwohl dies für diejenigen, die hinschauen wollen, offensichtlich ist), sondern auch in der praktischen Realität ihres Handelns. Angesichts solch enormer Macht können die Widerstandskräfte Westasiens ohne die Unterstützung der Massen nicht überleben und durchhalten.
Es steht außer Frage, dass ein leichter Sieg nicht zu erwarten ist und der bevorstehende Weg beschwerlich sein wird. Doch bei Verständnis des wahren Wesens des Konflikts lässt sich erkennen, wie die Massen sich weigern, sich der Unterwerfung zu fügen – koste es, was es wolle. Tatsächlich wird trotz großer Widrigkeiten der Versuch unternommen, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, wobei sämtliche verfügbaren Mittel zum Einsatz kommen.
Im englischen Original erschienen bei https://rupe-india.org/
Bild: Millionenmärsche im Jemen: »Blockade gegen Blockade und Eskalation gegen Eskalation«, 31. Juli 2026, jemenitisches Fernsehen
