Was eine Freie Linke ausmacht

Reform oder Revolution: ein Jahrhundert lang schien dies die ganze Wahl zu sein, vor die sich eine Linke gestellt sah. Beide Wege haben sich, in ihrer überlieferten Gestalt, erschöpft; die Zähmung des Kapitalismus ist der reformerischen Linken nicht geglückt, und der Versuch, den Staat mit Hilfe einer Kaderpartei zu erobern, hat, wie sich zeigen wird, in Erstarrung und Terror geendet. Der Beitrag geht dieser Erschöpfung entlang der Geschichte der egalitären Strömung nach – vom Scheitern des Sowjetsystems über den vergessenen Schatz der deutschen Linkssozialisten bis zu Erik Olin Wrights Realen Utopien – und schlägt einen dritten Weg vor: nicht gegen das System anzurennen, sondern in seinen Rissen zu bauen. Im Mittelpunkt steht die Frage, die eine Linke überhaupt erst zu einer Linken macht: Wem gehört was, und nach welchen Regeln? Konkret wird das bei lokalen und regionalen Verbünden, in Vereinen, Genossenschaften und Stiftungen, bei einer entstehenden Doppelmacht, die keines zweiten Staatsapparates bedarf, und bei einem Umbau von ganz unten, der am eigenen Körper beginnt.