Die »Pyramiden-Theorie« der KKE – eine revisionistische Lachnummer

Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) entwickelte im März 2013 unter ihrer damaligen Generalsekretärin Alexandra Papariga eine Theorie, die als »Pyramidentheorie« des Imperialismus bekannt wurde. Diese Theorie wurde in einem Artikel für die ideologische Zeitschrift El Machete der Kommunistischen Partei Mexikos mit dem Titel »Über den Imperialismus – Die imperialistische Pyramide« näher erläutert.

Die »Pyramidentheorie« ist eine Theorie aus dem Elfenbeinturm

Die »Pyramidentheorie« ist revisionistisch. Warum? Der Pyramidentheorie zufolge hätten auch afrikanische Länder wie Uganda und Kenia, ja sogar zerrüttete Länder wie der Kongo, der Südsudan und Somalia, imperialistische Ambitionen. Betrachtet man die Wirtschaftsdaten, so haben diese Länder – anders als beispielsweise Indien oder die Türkei – unter den Bedingungen der Dominanz durch ausländisches Kapital – sei es von amerikanischen, chinesischen oder indischen Unternehmen – keine Chance, eine eigene nationale Bourgeoisie in der Größenordnung von Monopolunternehmen hervorzubringen.

Die in dem erwähnten Artikel vorgebrachte Rechtfertigung lautet wie folgt:

»Die Situation in Afrika, in Regionen Eurasiens und im Nahen Osten bestätigt die Tatsache, dass alle kapitalistischen Länder in das internationale imperialistische System eingebunden sind, unabhängig davon, ob sie in der Lage sind, eine eigene expansionistische Politik zu betreiben.«1

Natürlich könnte Uganda eine »eigene expansionistische politische Linie« verfolgen, wenn ein afrikanisches Kolonialland wie Uganda über genügend Kapital in den Händen seiner nationalen Bourgeoisie verfügen würde, um Monopolunternehmen zu gründen, die in der Lage sind, die eigene heimische Wirtschaft zu kontrollieren und ins Ausland zu expandieren. Doch gerade der Versuch der KKE, eine Rechtfertigung für ihre falsche, revisionistische Theorie zu schaffen, entlarvt die »Pyramidentheorie« in ihrer Gesamtheit: Wenn ein kapitalistisches Land in der Lage ist, einen solchen Kurs zu verfolgen, verfügt es offensichtlich über die notwendigen Voraussetzungen, um ein imperialistisches Land zu sein.

Joti Brar (stellvertretende Vorsitzende der CPGB-ML) polemisierte 2023 in einem Artikel dagegen: »Dies, so wird uns gesagt, gilt für die Kapitalisten in Burkina Faso ebenso wie für die Kapitalisten in den USA. Anscheinend offenbart der Wunsch, das eigene Kapital zu vermehren, den Wunsch, Imperialist zu werden – und dieser Wunsch ist alles, was zählt.«2 Diese Kritik ist zutreffend, da die Fokussierung der KKE auf potenzielle Ambitionen ihre »Pyramidentheorie« zu einer reinen Elfenbeinturmtheorie machte.

Lenin schrieb unmissverständlich: »Die Entwicklung des Kapitalismus geht höchst ungleichmäßig in den verschiedenen Ländern vor sich. Das kann nicht anders sein bei der Warenproduktion.«3 Diese Tatsache hat den Imperialismus erst möglich gemacht. Gleich entwickelte Länder konnten sich kaum gegenseitig beherrschen. Papariga erkennt diese Theorie Lenins in ihrem Artikel zwar formal an, ignoriert sie jedoch in ihren praktischen Schlussfolgerungen völlig.

Wenn das die KKE unter einer marxistisch-leninistischen Analyse des Imperialismus versteht, dann ist es höchst fraglich, ob man die KKE überhaupt als im Marxismus-Leninismus verwurzelt bezeichnen kann. Die »Pyramidentheorie« ist kein bloßes Missverständnis oder eine Fehlinterpretation von Lenins Imperialismustheorie, sondern eine offensichtlich revisionistische Verzerrung.

Ein anderer Ansatz zur Erklärung neu auftretender imperialistischer Länder

Es gibt einen anderen Ansatz zur Erklärung des Auftretens neuer Akteure auf der imperialistischen Bühne, der weitaus einleuchtender ist. Es ist fast schon ironisch, dass Stefan Engel von der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) 2017 einen besseren Ansatz vorstellte, obwohl er eine sehr dogmatische Linie verfolgte, die auf falschen Annahmen in verschiedenen Fragen beruhte.

Es gab einige halbkoloniale Länder, die sich aufgrund der folgenden wirtschaftlichen Grundlagen zu imperialistischen Mächten entwickeln konnten:

»Grundlegende Voraussetzung für die Entstehung dieser einheimischen Monopole in einer Reihe von neokolonial abhängigen Ländern war die Verschmelzung der kapitalistischen Großgrundbesitzer mit dem Industrie-, Bank- und Handelskapital. Es handelte sich dabei vor allem um solche Länder, die aufgrund sozialökonomischer Voraussetzungen das besondere Interesse des internationalen Monopolkapitals für ihren Kapitalexport auf sich zogen. Sie waren meist großflächig, rohstoff- und bevölkerungsreich und durch relativ entwickelte kapitalistische Produktionsverhältnisse geprägt, besaßen eine relativ ausgebaute Infrastruktur, ein großes Potenzial an Arbeitskräften oder die Voraussetzungen für einen wachsenden Absatzmarkt.«4

Indien5 und die Türkei6 werden von Stefan Engel als Beispiele für aufstrebende imperialistische Länder beschrieben. Zum indischen Imperialismus verfasste Genosse Aulakh aus dem Punjab im Jahr 2024 eine fundierte Analyse, deren Lektüre empfehlenswert ist.7 Diese beiden Länder sind die offensichtlichsten Beispiele für neu imperialistische Länder. Beide Länder schufen unter Nehru und Atatürk sowie einigen ihrer Nachfolger eine verstaatlichte Industrie und konnten so eine nationale Entwicklung erreichen, die zwar als kapitalistische Länder nicht vollständig unabhängig von imperialistischem Einfluss war, aber dennoch zur Schaffung nationaler Monopole führte. Solche Regime der nationalen Bourgeoisie sind stets der Gefahr ausgesetzt, wieder zu Halbkolonien oder sogar Kolonien zu werden8 (wie beispielsweise in Ägypten nach Nasser zu beobachten war).

Die genannten Umstände erklären, warum nicht beliebige Länder der »Dritten Welt« imperialistisch wurden, sondern ganz bestimmte. Stefan Engel schrieb zu Recht: »Die Masse der neokolonialen Länder wurde ruiniert. Das führte bis zur Zerstörung ihrer selbständigen industriellen Basis und zum Zerfall zahlreicher Nationalstaaten.«9 Genau das geschah auch mit Uganda unter der Herrschaft des National Resistance Movement (NRM), als es zu einer Kolonie Chinas und Indiens wurde.

Mein Hauptkritikpunkt ist, dass Stefan Engel den Begriff »Neuimperialismus« als feststehenden Begriff verwendet. Der Begriff klingt so, als gäbe es eine neue Qualität des Imperialismus, was jedoch nicht der Fall ist, sondern lediglich eine neue Quantität: neu aufstrebende imperialistische Länder.

Außerdem gibt es eine konkrete Kritik an dieser Behauptung: »Russland büßte zeitweise seinen imperialistischen Charakter ein.«10 Die MLPD betont den imperialistischen Charakter Russlands in der Regel übermäßig, leugnet ihn jedoch für die 90er Jahre gänzlich. Russland befand sich zwar in einer schlechten wirtschaftlichen Lage, übte aber dennoch Einfluss auf die ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken aus, was sich in der Gründung der »Shanghai Five« im Jahr 1996 zeigt: Russland, China, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan. Diese bildeten später, im Jahr 2001, die Shanghai Cooperation Organization. Daher lässt sich sagen: Der russische Imperialismus wurde nach der Wiederherstellung des Kapitalismus in der UdSSR zwar in einer sehr schwachen Position wiederhergestellt, war aber nicht für eine gewisse Zeit nicht existent.

Fazit

Wir sollten die Pyramidentheorie der KKE als ein lächerliches Konzept betrachten, das von Revisionisten verfasst wurde, die ihre Schreibtische in Athen nie verlassen haben, um sich ein Bild von den tatsächlichen Verhältnissen in der Welt zu machen.

Die »Pyramidentheorie« erlangte in der internationalen kommunistischen Bewegung – sowohl bei Anhängern als auch bei Kritikern – große Bekanntheit, obwohl sie im Grunde nur auf einem einzigen Artikel beruhte. Das ist eine schwache Grundlage für einen so wichtigen ideologischen Bestandteil, dass ein einziges Dokument von seinen Anhängern unkritisch wie ein heiliger Text behandelt wird. Die Anhänger stammen größtenteils selbst aus imperialistischen Ländern, was kein Wunder ist. Dies ist Teil des Prozesses der Sozialdemokratisierung der Arbeiterbewegung in den imperialistischen Ländern unter dem allgegenwärtigen Einfluss der bürgerlichen Ideologie sowie der intellektualistischen Abgrenzung der Führer der kommunistischen Partei von den arbeitenden Massen. Diese Intellektuellen spüren die schlimmsten Auswirkungen der kapitalistischen Ausbeutung nicht – insbesondere nicht in den von imperialistischen Mächten dominierten Ländern. Sie sind in der Tat sorglos.

Die griechischen Revisionisten haben Einfluss auf opportunistische und revisionistische Organisationen und Parteien im gesamten Westen, einschließlich Deutschlands. Sie werden als Staubhaufen der Geschichte enden. Ihre Namen werden in die Chronik des Verrats an den arbeitenden Menschen eingehen. In der Bibel heißt es: »Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube.«11 Wir müssen nicht gegen ihre Hardliner kämpfen, das wäre Zeitverschwendung. Sie werden von selbst untergehen. Wir sollten lediglich verhindern, dass echte Genossen durch diesen revisionistischen Dunst vernebelt werden.

Verweise

3 Lenin, »Das Militärprogramm der proletarischen Revolution«, https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1916/10/militaer.htm

5 Ebenda, S. 44ff.

6 Ebenda, S. 49ff.

8 https://www.marxists.org/reference/archive/mao/selected-works/volume-2/mswv2_26.htm, deutsch: »Die neue Demokratie« in Bd 3 Maos Ausgewählten Schriften, (Ost-) Berlin, 1958 S. 126-185.

9 Stefan Engel, Über die Herausbildung der neuimperialistischen Länder, S. 18.

10 Ebenda, S. 40.

11 Matthäus 15,14

Zuerst in englisch erschienen in Die Rote Front

Bild: Aleka Papariga (karpidis CC BY 2.0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert