Antwort an Wu Bu zur Juche-Ideologie und zur Demokratischen Volksrepublik Korea

Vor kurzem veröffentlichte das deutschsprachige MagMa-Magazin, eine antikapitalistische Zeitschrift, einen Artikel, der ursprünglich von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) veröffentlicht worden war (von dieser jedoch zurückgezogen wurde). Dieser Artikel greift im Namen der sogenannten »kritischen Solidarität« die Volksrepublik Korea und die Juche-Ideologie an und verleumdet sie.

Hier in Großbritannien haben wir uns an den Begriff der »kritischen Solidarität« gewöhnt, den manche Kreise gerne in den Mund nehmen. Hier sagen einige, die früher alles akzeptierten, was die alte UdSSR tat und sagte – einschließlich ihres Revisionismus, ihrer zwielichtigen Geschäfte mit dem Imperialismus, des Baus von Pepsi-Cola-Fabriken in der UdSSR und sogar der Perestroika –, nun mit erhobenem Zeigefinger streng über die DVRK: »Oh je! Man muss doch kritisch sein, wisst ihr!« Natürlich haben einige Trotzkisten wie der wohlhabende Pakistaner Tariq Ali und der schreckliche Jon Halliday die DVRK und ihr Gesellschaftssystem im Namen der sogenannten »kritischen Solidarität« verleumdet – nun scheint es bedauerlich, dass einige deutsche Kommunisten denselben Weg einschlagen.

Zunächst einmal: Um einen allgemeinen Überblick über den Artikel zu geben – wie bei nicht wenigen der sogenannten linken Kritiker der DVRK – verfällt er in Pedanterie und Haarspalterei und offenbart eine dogmatische und starre Herangehensweise an den Sozialismus. Während der Autor vorgibt, einen intellektuellen und empirischen Ansatz zu verfolgen, ist das Ergebnis seiner »Kritik« an der DVRK in Wirklichkeit eine verworrenen, widersprüchliche und inkohärente Analyse. An einigen Stellen wird die DVRK vom Standpunkt des Dogmatismus aus kritisiert, an anderen vom Standpunkt des Revisionismus. Ein Großteil dieser sogenannten Analyse stützt sich stark auf die bürgerliche und imperialistische Geschichtsschreibung. So greift sie beispielsweise das Argument einiger imperialistischer Kommentatoren wieder auf, wonach die DVRK lediglich eine Kopie der UdSSR und Chinas sei – auf diesen Punkt werde ich später noch zurückkommen. Im Wesentlichen handelt es sich bei ihrer Argumentation um eine großmachtchauvinistische These, wonach kleine Länder keinen Sozialismus aufbauen können oder von großen Ländern abhängig sein müssen.

In dem Artikel wird zudem behauptet, dass die darin geäußerte »Kritik« aus echter Sorge heraus erfolgt, angesichts dessen, was mit der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) geschehen sei, womit implizit die DVRK mit der DDR gleichgesetzt wird. Es gab jedoch große Unterschiede zwischen dem Sozialismus der alten DDR und dem der DVRK. Natürlich hatte die DDR einige Errungenschaften vorzuweisen, wie zum Beispiel Vollbeschäftigung und gute Wohnverhältnisse. Der Sozialismus der DVRK ist unabhängig, basiert auf dem Juche-Prinzip und ist keine Kopie eines anderen Landes. In der DVRK befindet sich kein einziger ausländischer Soldat auf ihrem Staatsgebiet. Sie ist niemals dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) oder dem Warschauer Pakt beigetreten. Die DDR hingegen war sowohl Mitglied des RGW als auch des Warschauer Pakts. Auf ihrem Staatsgebiet befanden sich sowjetische Truppen. Man sagte, wenn es in Moskau regnete, trugen die Menschen in Ostberlin Regenschirme. Die DVRK legte großen Wert auf ideologische Arbeit, während die DDR dies nicht tat und von westlicher imperialistischer Kultur und Ideologie überschwemmt wurde, wie es tatsächlich auch in vielen anderen europäischen sozialistischen Länder der Fall war. Ich reiste 1988 durch die DDR; natürlich ist es schwierig und wahrscheinlich nicht fair, einen Vergleich mit der DVRK anzustellen, der nur auf sechs Stunden in der DDR basiert, doch mir fiel Folgendes auf: gelangweilt wirkende Grenzsoldaten, Menschen in Kleidung im amerikanischen Stil und ein Betrunkener auf einem Bahnhof. Die Menschen in der DVRK hingegen sind enthusiastisch und kämpferisch. Letztendlich war die DDR revisionistisch und hatte keine eigene Ideologie, sie kopierte lediglich die Sowjetunion.

Zweitens stützt sich der Artikel, obwohl er vorgibt, eine prinzipientreue, ehrliche kommunistische Kritik zu vertreten, in Wirklichkeit stark auf bürgerliche und imperialistische Quellen und zitiert sogar die längst diskreditierte Wikipedia, von der selbst Schulkinder wissen, dass sie von der CIA redigiert und manipuliert wird und vom neoliberalen Millionär Jimmy Wales gegründet wurde. Der Artikel zitiert zudem Hans Maretzki als Quelle – einen Revisionisten und Verräter, der später für das vom deutschen Staat geförderte »Deutsche Institut für Globale und Regionalstudien« tätig war. So nutzen also vermeintliche Antirevisionisten und »Antikapitalisten« einen Revisionisten und Verräter, um ein sozialistisches Land anzugreifen!

Betrachten wir einige der Vorwürfe, die gegen die Demokratische Volksrepublik Korea und dessen Führung erhoben werden, einmal genauer.

Der Artikel behauptet, Juche sei lediglich eine Anpassung des Marxismus-Leninismus an die koreanischen Verhältnisse. Außerdem sei »Kim Il Sung ideologisch gesehen de facto ein Anhänger Mao Tse-tungs« gewesen, die DVRK sei in Wirklichkeit nach dem Vorbild der UdSSR und Chinas aufgebaut worden.

Juche ist keineswegs einfach nur auf Korea angewandter Marxismus-Leninismus, sondern eine neue und eigenständige Theorie. Das bedeutet natürlich nicht, dass es keine Gemeinsamkeiten gäbe. Juche ist nicht einfach »auf Korea angewandter Marxismus-Leninismus« und nicht nur für Korea allein bestimmt. Zwar übernimmt Juche viele Merkmale des Marxismus-Leninismus, weist aber auch eigene, originäre Merkmale auf. Juche betont, dass der Mensch der Herr über alles ist und die Volksmassen die Herren der Revolution und des Aufbaus sind. Juche betont sowohl den subjektiven als auch den objektiven Faktor. In der Vergangenheit legten sozialistische Länder, die dem Marxismus-Leninismus folgten, den Schwerpunkt auf den materiell-wirtschaftlichen Faktor und glaubten, dass sich das Bewusstsein der Massen automatisch ändern würde, sobald sozialistische Produktionsverhältnisse etabliert seien; infolgedessen wurde die ideologische Arbeit vernachlässigt. Schlimmer noch: Es kam zum Revisionismus. Juche schreibt vor, der Ideologie Vorrang einzuräumen; im Grunde ist die ideologische Arbeit der Motor des Aufbaus des Sozialismus.

Der Autor des Artikels versucht, eine falsche Gegensätzlichkeit zwischen Präsident KIM IL SUNG und dem Vorsitzenden KIM JONG IL herzustellen. Dies ist eine Verleumdung und erinnert an die schlimmste und extremste Anti-DVRK-Propaganda der faschistischen südkoreanischen Marionetten. Beim Lesen des Artikels wird sehr deutlich, dass sich der Autor stark auf die wertlose Propaganda aus Südkorea gestützt hat, auf die Memoiren von Verrätern wie Hwang Jang Yop, auf Websites wie Daily NK (eine südkoreanische rechtsextreme Website, die vom US-amerikanischen »National Endowment for Democracy« finanziert wird) und auf Wikipedia, auf die der Autor Bezug nimmt.

Mit der Behauptung, Präsident KIM IL SUNG habe sich an den Ideen von Mao Tse-tung orientiert und die DVRK sei in Wirklichkeit nach dem Vorbild Chinas und der UdSSR gestaltet worden, zeigt der Verfasser des Artikels, dass er der DVRK und ihrer Führung zutiefst ablehnend gegenübersteht und dabei sowohl eine sozialchauvinistische als auch eine großmachtchauvinistische Haltung einnimmt. Natürlich gab es einige Ähnlichkeiten zwischen China und Korea; beide waren Länder, die zuvor rückständige feudale Gesellschaften gewesen waren, die durch extreme Ausbeutung und Unterdrückung gekennzeichnet waren, beide waren ausländischer Herrschaft unterworfen gewesen. Sowohl China als auch Korea konnten nicht denselben Weg einschlagen wie die russischen Kommunisten im Oktober 1917, sodass sich die Ansichten der revolutionären Führer Koreas und Chinas in einigen Fragen natürlich annäherten, doch dies bedeutet nicht, dass Präsident KIM IL SUNG die Theorien von Mao Tse-tung kopiert hätte.

Schon in den 1930er Jahren verteidigte Präsident KIM IL SUNG die Autonomie der koreanischen Kommunisten während des bewaffneten Kampfes gegen Japan, als Großmachtchauvinisten in der Kommunistischen Partei Chinas versuchten, den Kampf der koreanischen Kommunisten zu behindern.

Es gab deutliche Unterschiede zwischen der Theorie der Neuen Demokratie von Vorsitzendem Mao und dem Werk »Über die progressive Demokratie« von Präsident KIM IL SUNG. In seinem Werk bezieht sich Mao ausführlich auf Stalin, während Präsident KIM IL SUNG dies nicht tut. Mao erwähnt zudem den chinesischen bürgerlich-nationalistischen Führer Sun Yat-sen, der von Präsident KIM IL SUNG nicht erwähnt wird. Darüber hinaus legte Präsident KIM IL SUNG in seiner Abhandlung »Über die progressive Demokratie« die einzigartige, auf Juche basierende Linie zur Gründung einer demokratischen Volksrepublik dar, während die chinesischen Kommunisten 1949 eine »Volksrepublik« gründeten.

Es gab deutliche Unterschiede zwischen der Arbeiterpartei Koreas und der Kommunistischen Partei Chinas. Beide Parteien lehnten den modernen Revisionismus ab, doch gab es Meinungsverschiedenheiten. Präsident KIM IL SUNG warnte auf der Konferenz der Arbeiterpartei Koreas im Jahr 1966 sowohl vor dem modernen Revisionismus als auch vor dem linken Opportunismus. Zu Beginn desselben Jahres veröffentlichte die Tageszeitung der Arbeiterpartei Koreas, die Rodong Sinmun, am 12. August einen Artikel mit dem Titel »Lasst uns die Unabhängigkeit verteidigen«, in dem sowohl die UdSSR als auch die Volksrepublik China (VR China) kritisiert wurden. Die DVRK verfolgte eine eigene, von China völlig unabhängige Politik; so verurteilte beispielsweise die VR China den Aufstand der JVP in Sri Lanka im Jahr 1971 und unterstützte die revisionistisch-reformistische Bandaranaike-Regierung, während die DVRK den Aufstand nicht verurteilte (und von srilankischen Reaktionären sogar beschuldigt wurde, dahinterstecken zu. China versäumte es, im September 1973 nach dem von der CIA unterstützten faschistischen Staatsstreich die Beziehungen zu Chile abzubrechen, während die DVRK als erstes Land die Beziehungen zu Chile abbrach. Auch erkannte China 1975 die neu unabhängige Volksrepublik Angola nicht an und unterstützte stattdessen die konterrevolutionären UNITA- und FNLA-Banden, während die DVRK Beziehungen zu Angola aufnahm. Es ist völlig falsch zu behaupten, dass die DVRK China folgte und dass Präsident KIM IL SUNG einfach nur Mao folgte!

Die Linie der drei Revolutionen – der ideologischen, der technischen und der kulturellen – hatte nichts mit der chinesischen Kulturrevolution zu tun. Tatsächlich hatte Präsident KIM IL SUNG die Linie der ideologischen Umgestaltung bereits 1956 in einer Rede mit dem Titel »Die Aufgaben der Parteiorganisationen des Bezirks Nord-Phyongan« dargelegt, in der er sagte:

»Um die sozialistische Gesellschaft aufzubauen, gilt es, nicht nur die Wurzeln der Ausbeutung zu beseitigen und die sozialistischen Produktionsverhältnisse herzustellen, sondern auch die materiell-technische Basis des Sozialismus zu festigen und das Bewußtsein der Menschen sozialistisch umzuformen. Nur dann kann man davon sprechen, daß der Sozialismus vollständig aufgebaut worden ist.«

KIM IL SUNG, Werke 10

Dies entspricht im Wesentlichen der Linie der ideologischen Revolution und wurde zehn Jahre vor der Kulturrevolution in China verkündet.

Der Artikel versucht, die Tatsache herunterzuspielen, dass Genosse KIM JONG IL nach dem Zusammenbruch der UdSSR der einzige Führer eines sozialistischen Landes war, der das Lenin-Mausoleum besuchte. Genosse KIM JONG IL musste auf einem Besuch des Lenin-Mausoleums bestehen, da das nicht-sozialistische Regime in Russland damit nicht einverstanden war. Genosse KIM JONG IL gebührt dafür die volle Anerkennung.

Der Artikel wiederholt das übliche revisionistische Geschwätz über den »Personenkult«. Moderne Revisionisten schwadronieren über den »Personenkult«. Dies war ein Begriff, den Chruschtschow verwendete, um den verstorbenen Josef Stalin und den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR zu verleumden und zu diffamieren. Chruschtschows sogenannte Geheimrede vor dem 20. Parteitag der KPdSU wurde an die imperialistischen Länder weitergegeben. Seitdem ist der Begriff »Personenkult« zum Standardrepertoire antikommunistischer Propagandisten sowie von Revisionisten und Opportunisten geworden. Die UdSSR und die internationale kommunistische Bewegung litten schwer unter Chruschtschows Torheit. Die UdSSR schwenkte nach rechts und führte einige Jahrzehnte später den Kapitalismus wieder ein – das ist das Ende der Theorie vom »Personenkult«. Das Wesen der Theorie vom sogenannten »Personenkult« ist eine künstliche Trennung des Führers von den Massen. Bourgeoise und revisionistische Kommentatoren verkennen, dass der Führer kein Individuum ist, sondern das Zentrum der Einheit der Gesellschaft.

Diejenigen, die vom »Personenkult« schwadronieren, sind diejenigen, die die Gesellschaft nicht als Kollektiv begreifen, sondern von einer bürgerlichen Gesellschaftsauffassung beeinflusst sind, die die Gesellschaft als eine Ansammlung atomisierter Individuen betrachtet. Eine typische extreme und nihilistische Variante dieser Weltanschauung wurde von der ehemaligen Premierministerin Thatcher zum Ausdruck gebracht, die einmal behauptete: »So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht.«

Tatsächlich ist der Führer das oberste Gehirn der Revolution, das oberste Gehirn der Gesellschaft. Die Gesellschaft gleicht einem lebenden Organismus oder einem Körper. Der Körper braucht ein Gehirn; ein Körper ohne Gehirn wäre unmöglich. Dennoch glauben manche Menschen, man könne einen Körper ohne Gehirn haben. Niemand kommt auf die Idee, dass das Gehirn den eigenen Körper versklaven könnte.

In der DVRK bilden die Massen, die Partei und der Führer ein untrennbares und harmonisches Ganzes, wie es weder in einer ausbeuterischen kapitalistischen Gesellschaft noch in einem revisionistischen Land jemals zuvor zu beobachten war. Die Menschen in der DVRK sind in Herz und Geist vereint und handeln als Einheit.

Der Artikel verweist zudem auf »zeitliche Unstimmigkeiten«, enthält jedoch einen schwerwiegenden sachlichen Fehler, wenn behauptet wird, ein Gespräch des Genossen KIM JONG IL mit Studenten der KIM IL SUNG-Universität vom 16. September sei im Jahr 2023 veröffentlicht worden, obwohl es tatsächlich bereits 2009 – also rund 14 Jahre zuvor – in der erweiterten Ausgabe der Ausgewählten Werke von KIM JONG IL« erschienen war. Es gibt viele Gründe, warum manche Werke der Führer der DVRK erst nach mehreren Jahren in Fremdsprachen erscheinen. So müssen sie beispielsweise sorgfältig und präzise übersetzt werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Was die Behauptung betrifft, dass »Juche den Marxismus-Leninismus aufgibt«: Marx, Engels und Lenin hatten niemals die Absicht, dass ihre Theorien und Ideen zu einer in Stein gemeißelten Regel, zu einer Art Bibel werden sollten – sie waren vielmehr als Leitfaden für das Handeln gedacht. Marx ist vor 140 Jahren gestorben, seitdem hat sich die Welt verändert. Daher wird der klassische Marxismus-Leninismus historische Grenzen haben. Der Genosse KIM JONG IL hat zu Recht darauf hingewiesen.

In dem Artikel wird behauptet, dass Präsident KIM IL SUNG bis zum Ende seines Lebens stets daran festhielt, dass Juche nichts anderes sei als die Anwendung des Marxismus-Leninismus auf Korea. In Ansprachen vor antijapanischen revolutionären Kämpfern und Nachkommen der gefallenen Revolutionäre am 13. März 1992 und 20. Januar 1993 sagte er folgendes:

»Ich begründete in Widerspiegelung der Forderungen unserer Revolution und der Bestrebungen der Menschen der neuen Zeit der Souveränität die Juche-Ideologie, machte sie zur Richtschnur und führte die Revolution und den Aufbau, dachte aber kaum darüber nach, die Grundprinzipien dieser Ideologie zusammenzufassen und zu systematisieren. Diese Aufgabe wurde von Kim Jong Il hervorragend gelöst. Er studierte gründlich die Grundprinzipien der Juche-Ideologie und den Inhalt, der den Kern dieser Ideologie ausmacht, formulierte davon ausgehend den Leitgedanken unserer Partei als ein in sich geschlossenes System der Juche-Ideologie, ihrer Theorie und Methode. Entsprechend dem Anliegen der Gegenwart und der fortschreitenden Revolution bereicherte er die Juche-Ideologie mit neuen Prinzipien und neuem Inhalt, vertiefte und entwickelte sie allseitig weiter. Er entfaltete ferner voller Energie die Arbeit für die Ausrüstung unseres Volkes mit der Juche-Ideologie, für die umfassende Propagierung und Verbreitung dieser Ideologie im Ausland und sorgt dafür, dass die Juche-Ideologie in Wort und Tat zur revolutionären Ideologie der Volksmassen selbst wird.. Ich säte sozusagen den Samen in den Boden unseres Volkes und zog die Juche-Ideologie auf, und Kim Jong Il brachte sie zur vollen Blüte mit reichen Früchten.«

KIM IL SUNG, WERKE 44

Daraus lässt sich ableiten, dass Präsident KIM IL SUNG die Juche-Ideologie als eine eigenständige Idee betrachtete, die den Anforderungen des Zeitalters der Unabhängigkeit gerecht wurde.

Eine weitere dogmatische Behauptung in dem Artikel lautet, dass Genosse KIM JONG IL und die DVRK die Mehrwerttheorie aufgegeben hätten. Doch auch hier gilt: Seit Marx die Mehrwerttheorie im Großbritannien des 19. Jahrhunderts erstmals ausgearbeitet hat, haben sich in der Welt massive Veränderungen vollzogen. Damals wurde Reichtum durch die harte körperliche Arbeit des Proletariats in den Fabriken geschaffen. Heute wird jedoch zunehmend die IT zur Schaffung von Reichtum eingesetzt, außerdem findet eine zunehmende Intellektualisierung der Arbeit statt, sodass neue Theorien zur Ausbeutung und zu den Widersprüchen des Kapitalismus erforderlich sind. Tatsächlich hat Genosse KIM JONG IL die Mehrwerttheorie niemals aufgegeben, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass diese Theorie zwangsläufig historische Grenzen habe. Der Autor scheint zu glauben, dass die Mehrwerttheorie ebenso wie andere Theorien von Marx für alle Zeiten gültig und unveränderlich sei.

Der Artikel behauptet oder impliziert, dass Genosse KIM JONG IL ein Anhänger des chinesischen Revisionismus sei. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Tatsächlich stellte Genosse KIM JONG IL am 25. Dezember 1978, eine Woche nachdem die Volksrepublik China ihre »Reformen« und »Öffnung« angekündigt hatte, die Parole »Auf unsere Art und Weise leben!« auf. Der Zeitpunkt kann kein Zufall gewesen sein.

1998 sagte Genosse KIM JONG IL:

»Unsere Haltung in Bezug auf Reform und Öffnung ist fest und eindeutig. Wir müssen die Intrigen der Feinde in Bezug auf Reform und Öffnung entschieden zurückweisen und zerschlagen. Ganz gleich, was irgendjemand sagt und welche Winde auch wehen mögen – unsere Partei und unser Volk werden niemals den Weg der Reform und Öffnung einschlagen.«

Im Jahr 1999 sagte Genosse KIM JONG IL:

»Unter dem Banner des Schaffens aus eigener Kraft müssen wir eine große aufblühende Macht aufbauen. […] Es ist keinesfalls zulässig, dass wir in den Strom einer von den Imperialisten befürworteten ›Reform‹ und ›Öffnung‹ gezogen werden. Die ›Reform‹ und ›Öffnung‹ sind ein Weg zum Untergang des Landes. Wir dürfen diese nicht im Geringsten zulassen.«

Später schrieb er in seiner Abhandlung »Die Demokratische Volksrepublik Korea ist ein unbesiegbar mächtiger sozialistischer Staat unserer Prägung«:

»Zurzeit verleumden und verunglimpfen die Imperialisten und andere Reaktionäre unsere Republik, das Vaterland des Juche, als ›abgeschottet‹ und ›isoliert‹ und versuchen vergeblich, um uns zu ›Reformen‹ und ›Öffnung‹ zu verleiten. […] Auch ihr Gefasel von ›Reformen‹ und ›Öffnung‹ sind aggressive und zersetzerische Machenschaften zum Sturz des Sozialismus unserer Prägung. Diese Umtriebe verschlechtern nur die Beziehungen zu uns und sind zum Scheitern verdammt.«

Hätten die Autoren des Artikels die DVRK tatsächlich besucht, hätten sie gewusst, dass viele Bürger der DVRK tatsächlich kritische Ansichten über China und dessen »Öffnung« und »Reform« äußern. Solche Ansichten kamen in unseren Gesprächen mit nordkoreanischen Sozialwissenschaftlern in den Jahren 1996, 2015 und 2016 sowie mit einzelnen nordkoreanischen Reiseleitern sehr deutlich zum Ausdruck. Der Artikel verschweigt zudem gänzlich die Tatsache, dass es 2017 zu scharfen Differenzen zwischen der DVRK und der VR China kam, wobei die nordkoreanischen Medien China offen kritisierten, indem sie Artikel wie »Sind Sie gut im Tanzen zu anderen Melodien« (21. April 2017) veröffentlichten. Die Autoren des Artikels räumen widerwillig ein, dass die Arbeiterpartei Koreas auf ihrem 8. Parteitag keine »Reformen« und keine »Öffnung« beschlossen hat. Tatsächlich betonte der Parteitag stattdessen die Selbstständigkeit sowie die Stärkung der einheitlichen Führung durch den Staat. Wie der verehrte Marschall KIM JONG UN sagte:

»Der unabhängige, planwirtschaftliche und menschenorientierte Charakter der Volkswirtschaft sollte gestärkt werden. Zu diesem Zweck ist es notwendig, die Funktionen des Staates als Organisator der Wirtschaft zu stärken und eine einheitliche Verwaltung der Produktionsergebnisse sicherzustellen, wobei zu gewährleisten ist, dass die Erträge der wirtschaftlichen Aktivitäten der Förderung des Wohlergehens der Bevölkerung zugutekommen.«

Eine ausführliche Analyse der Beziehungen zwischen der DVRK und der VR China liefert Francesco Alarico della Scala.

Der Artikel im MagMa Magazin scheint sogar die prinzipielle Haltung der DVRK gegenüber Russland und der militärischen Sonderoperation in der Ukraine zu kritisieren. Die DVRK hat nie behauptet, Russland sei ein sozialistisches Land. Es ist falsch, die Verteidigungsmaßnahmen Russlands mit dem aggressiven US-Imperialismus gleichzusetzen, der über ein riesiges globales Imperium von Militärstützpunkten auf der ganzen Welt verfügt und in Dutzende von Ländern eingreift.

Schließlich zeigen die Autoren des Artikels ihren tiefsitzenden Zynismus und Antisozialismus, indem sie sich über die DVRK lustig machen, weil diese ein sozialistisches Wunderland aufbauen will. Verstehen diese Leute etwas von revolutionärem Optimismus?

Der Artikel ist keine »freundliche Kritik«, sondern eine Ansammlung von Halbwahrheiten und Verzerrungen sowie die bloße Wiederholung imperialistischer und bürgerlicher Propaganda gegen Volkskorea.

Bild: Statuen der großen Führer, Pjöngjang, Demokratische Volksrepublik Korea, Oktober 2012 (calflier001, wikimedia commons)

Dr. Dermot Hudson
Vorsitzender der Korean Friendship Association Großbritannien
Vorsitzender der British Group for the Study of the Juche Idea
Stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Organisationskomitees für das Fest zu Ehren der großen Persönlichkeiten des Berges Paektu
Mitglied der New Communist Party of Britain

Er besitzt neben seinem unten verlinkten Blog auch einen Youtube-Kanal: https://www.youtube.com/@SONGUN007

https://juche007-anglo-peopleskoreafriendship.blogspot.com/

9 thoughts on “Antwort an Wu Bu zur Juche-Ideologie und zur Demokratischen Volksrepublik Korea

  1. Der Autor beklagt sich über das «revisionistische Geschwätz vom ‹Personenkult›» um ebensolchen zu betreiben indem der die Namen der koreanischen Führer KIM IL SUNG, KIM JONG IL und vom «verehrten Marschall» KIM JONG UN in GROSSBUCHSTABEN schreibt, andere Namen nicht.

    «Bourgeoise und revisionistische Kommentatoren verkennen, dass der Führer kein Individuum ist, sondern das Zentrum der Einheit der Gesellschaft.» – Das galt auch für einen gewissen deutschen Führer.

    «Bourgeoise und revisionistische Kommentatoren verkennen, dass der Führer kein Individuum ist, sondern das Zentrum der Einheit der Gesellschaft.

    Diejenigen, die vom ‹Personenkult› schwadronieren, sind diejenigen, die die Gesellschaft nicht als Kollektiv begreifen, sondern von einer bürgerlichen Gesellschaftsauffassung beeinflusst sind, die die Gesellschaft als eine Ansammlung atomisierter Individuen betrachtet. […]

    Tatsächlich ist der Führer das oberste Gehirn der Revolution, das oberste Gehirn der Gesellschaft. Die Gesellschaft gleicht einem lebenden Organismus oder einem Körper. Der Körper braucht ein Gehirn; ein Körper ohne Gehirn wäre unmöglich. Dennoch glauben manche Menschen, man könne einen Körper ohne Gehirn haben. Niemand kommt auf die Idee, dass das Gehirn den eigenen Körper versklaven könnte.

    In der DVRK bilden die Massen, die Partei und der Führer ein untrennbares und harmonisches Ganzes, wie es weder in einer ausbeuterischen kapitalistischen Gesellschaft noch in einem revisionistischen Land jemals zuvor zu beobachten war. Die Menschen in der DVRK sind in Herz und Geist vereint und handeln als Einheit.»

    Was die perfekte Beschreibung einer totalitären Gesellschaft ist.

    «[…] das Bewußtsein der Menschen sozialistisch umzuformen.» – Immer wieder: der neue Mensch.

    Man darf daran erinnern, daß für Marx das Ziel des Sozialismus der «Verein FREIER Menschen» ist. Der Gedanke findet sich schon bei Hegel:

    «Das Wesen des neuen Staates ist, daß das Allgemeine [reine Staatszwecke] verbunden sei mit der vollen Freiheit der Besonderheit, [d.h.] dem Wohlergehen [und Interesse] der Individuen.» (Zitiert nach Hegel-System, «Zweck des Staates – Glück der Bürger». [1]; «neuer Staat» = bürgerlicher Staat)

    Ich weiß nicht, ob bei Marx oder Engels irgendwo die Idee vorkommt, die kommunistische Gesellschaft brauche einen «neuen Menschen». Er hat sicher gehofft, eine solche Gesellschaft bringe einen entsprechenden anthropologischen Typ hervor, weil das Sein das Bewußtsein bestimmt.

    Unter «Sozialismus» einen parteibürokratischen Planstaat (miß)zuverstehen, hat wohl erst Lenin explizit gemacht: «Unser nächstes Ziel ist, die gesamte Volkswirtschaft nach dem Vorbild der Post zu organisieren, […]» (Staat und Revolution, III.3) Man kann das angesichts der nunmehr angestrebten elektronischen Vollbürokratisierung der Staaten (programmierbares Zentralbankgeld, Zugengscodes etc.) für einen Weg halten, der dem Kommunismus diametral entgegengerichtet war und ist.

    [1] https://hegel-system.de/de/v3233zweck.htm
    [2] https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1917/staatrev/kapitel3.htm

  2. «Tatsächlich ist der Führer das oberste Gehirn der Revolution, das oberste Gehirn der Gesellschaft. Die Gesellschaft gleicht einem lebenden Organismus oder einem Körper. Der Körper braucht ein Gehirn; ein Körper ohne Gehirn wäre unmöglich. Dennoch glauben manche Menschen, man könne einen Körper ohne Gehirn haben. Niemand kommt auf die Idee, dass das Gehirn den eigenen Körper versklaven könnte.

    In der DVRK bilden die Massen, die Partei und der Führer ein untrennbares und harmonisches Ganzes, wie es weder in einer ausbeuterischen kapitalistischen Gesellschaft noch in einem revisionistischen Land jemals zuvor zu beobachten war. Die Menschen in der DVRK sind in Herz und Geist vereint und handeln als Einheit.» (Hudson, oben)

    «Durch dieses Führerprinzip ist es möglich, sowohl die unbedingte Volkseinheit zu sichern als auch die Autonomie und das Eigenleben vieler großer und kleiner Gemeinschaften in der Partei, in den Berufen, in der Kultur, in der Wirtschaft, also in allen Gebieten des Lebens zu bewahren. Dieses Prinzip eröffnet den organisatorischen und methodischen Weg, um sich dem Dilemma zwischen uniformierendem „Zentralismus“ und auflösendem „Pluralismus“ zu entziehen. Das Führerprinzip ist der Schlüssel, um die Gesamtorganisation der nationalsozialistischen Gemeinschaft zu begreifen.» (Carl Schmitt, Die Grundzüge des nationalsozialistischen Staates, 1936, zit. n.: Gesammelte Schriften 1933 – 1936, Berlin 2021, S. 345 [1])

    [1] https://ia801601.us.archive.org/24/items/carl-schmitt-gesammelte-schriften-1933-1936/Carl%20Schmitt%20-%20Gesammelte%20Schriften%201933%E2%80%931936.pdf

  3. «Bourgeoise und revisionistische Kommentatoren verkennen, dass der Führer kein Individuum ist, sondern das Zentrum der Einheit der Gesellschaft.» (Dr Dermot Hudson)

    - Es wäre vielleicht genauer, von einer zentralen Symbolfigur der sozialen Einheit zu reden, andererseits hat die Einseitigkeit einer rein politischen Herangehensweise für sich, politisch eindeutig, die Ambivalenzen zu vermeiden, die mit der Hinzunahme psychologischer Aspekte unvermeidlich werden und sorelsche oder proudhonsche Fehlschlüsse nahelegen.

    - Hudson hat seine politischen Erfahrungen unter einer konstitutionellen Monarchie gemacht.
    Hudson dürfte, verglichen mit z.B. Renate Dillmann, die Nordkorea »noch am ehesten als Monarchie« einordnet, in dieser Hinsicht ein entwickelteres Urteilsvermögen besitzen.

    - Hudson betont den Begriff »Gesellschaft« -: dass Hudson von der Gesellschaft zur »unbedingten Volkseinheit« des Faschisten Carl Schmitt gelangt, kann ich, offen gestanden, auf den ersten Blick hin nicht erkennen und würde das auch nicht unterstellen wollen. Die „Unbedingtheit“ käme erst ins Spiel, wenn Politik als „säkularisierte Religion“ verstanden würde oder als vom Mythos determiniertes Handeln wie bsw. bei Sorel.

    - Wenn Hudson sich einer organizistischen Metaphorik bedient, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er eine biologistische Auffassung von Gesellschaft hat; es kann sich auch um Veranschaulichungen abstrakter Sachverhalte handeln. Bei Hudson liegt m.E. auch hier die Referenz auf Hobbes eher nahe, als bsw. auf Spencer.

    Naja, ist da noch die Sache mit dem „Personenkult“…

    - es ist sehr die Frage, was mit einer öffentlichen Persönlichkeit an Inhalten verbunden wird. Bereits Erich Fromm machte darauf aufmerksam, dass es einen wesentlichen Unterschied ausmachen könne, ob sich Menschen mit Lenin oder Mao identifizierten oder mit Hitler oder Mussolini.

    - zweifellos fehlt es auch in den imperialistischen Zentren nicht an „Personenkulten“, wenn auch eher »verschoben«, kommodifiziert„ entpolitisiert und entschärft im kulturindustriellen Sektor als »Starkult« - aber genauso massenhaft praktiziert.

    Die jederzeit bestehende Möglichkeit, dass in den »Metropolen« ein « Bedürfnis nach symbolischer Einheit« sich re-politisiert, stellt aber kein geringes Risiko für bürgerliche Staatsapparate dar, wie die pedantische Repression zeigt, der es ausgesetzt ist, wo es auch nur Ansätze dazu zeigt:

    Zur Erinnerung:

    https://www.youtube.com/watch?v=omMN8o2UDlU&list=RDpKcZDw9j7IY&index=2

    an diesem Beispiel lässt sich unschwer eine religiöse Tendenz in der Repolitisierung des Symbolischen (als Starkult) erkennen, im Unterschied zu Nordkorea, das eine sozialistische Staatsideologie umsetzt. So gesehen praktiziert Nordkorea das Programm der Aufklärung konsequent.

    Es ließe sich in diesem Zusammenhang auch noch viel über »Farbrevolutionen« sagen, aber das würde zu umfangreich werden; es dürfte aber plausibel sein, dass kein Staat auf Lenkung und Kontrolle seiner Kulturindustrie verzichtet.

    - zu „Neuer Mensch“: Dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimme: diese Aussage gewinnt ihren revolutionären Charakter m.E. nur, wenn „Sein“ als Praxis begriffen wird. So gesehen halte ich Tschernischewskis „Was tun?“ noch immer für eine empfehlenswerte Lektüre.

    So viel zur Verteidigung Hudsons gegen die Kritik von „Corona-Weltexperiment“. Eine Verteidigung braucht nicht notwendigerweise davon überzeugt zu sein, dass die Kritik, die sie zu entkräften versucht, nicht zutreffend ist. Dass die DPRK sich auf dem Weg zum Kommunismus befände, ist allerdings nicht meine Überzeugung.

  4. Ergänzung

    Noch vergessen auf das von „Corona-Weltexperiment“ genannte „Führerprinzip“ der Faschisten einzugehen:

    Ein durchgeführtes „Führerprinzip“ duldete noch nicht einmal den Anschein von Demokratie und geht weit darüber hinaus, was , wie man meinen könnte, nur eine Ausweitung der militärischen „Befehlskette“ auf die Gesellschaft bedeutete.

    Da die Generation, die im Sinne des „Führerprinzips“ erzogen wurde, den Mantel des Schweigens über die fürchterliche Verrohung, die das mit sich brachte, breitete, haben sich die Erinnerungen daran nur bruchstückhaft erhalten. Ein bemerkenswertes sprachliches Artefakt ist der sogenannte „Kameradendiebstahl“, bzw. was zu tun ist, um ihm vorzubeugen.

    Es scheint sich zunächst um etwas „Unschuldiges“ zu handeln: Kindern wird beigebracht, ihren Spind abzuschließen. Dazu wird ihnen gesagt: Wenn ihr das nicht tut, seid ihr Schuld, wenn eure „Kameraden“ euch beklauen u n d – und hier fingen die Erinnerungslücken an - Ihr seid Schuld, d a s s sie euch beklauen. Der Hintergund ist, dass nicht das Klauen diskriminiert wurde, sondern die Unterlassung, andere Kinder von seiner Habe auszuschließen, weil der Egoismus des Raubes das Erziehungsziel war. Die „Rudel“ und ihre „Führer“ waren das Gegenteil von Kollektiven: Hier sollten „Herrenmenschen“ auf die brutalste Konkurrenz aller gegen aller als vereinzelte Einzelne gedrillt werden. Und diese Konkurrenz ging noch etwas über den Raub hinaus…

    So wurden die Kinder und Jugendlichen nach dem „Führerprinzip“ zur „Selbstführung“(*) erzogen, einfach gesagt: durch gegenseitiges Betrügen, Beklauen und Verprügeln das jeweils brutalste und/oder gerissenste Arschloch ermittelt, das in der Hierarchie aufstieg, um als „Führer“ wiederum andere zur äußersten Hemmungslosigkeit anzustiften und zu korrumpieren.

    Mit dem „Führerprinzip“ lassen sich andere Länder überfallen und versklaven, aber eine Gesellschaft damit aufbauen und erhalten lässt sich nicht, was wohl auch nicht gerade die Zwecksetzung war.

    (*) ohne dieses scheinbar gegenläufige Prinzip lässt sich die faschistische Sozialdynamik nicht voll erfassen.

  5. Das größte Problem, aller im Westen aufgewachsenen und sozialistierten Menschen, ist die latente Ideologie der Vorherrschaft der weißen Herrenrasse. Diese verstellt auch den Blick auf die asiatischen Gesellschaften, in denen Führung und Macht in der Gesellschaft anders bewertet werden als im Westen. Dazu gibt es in Lossurdo »Der westliche Marxismus« oder in »Feindbild China« von Uwe Behrens interessante Dinge zu lesen. Oder man fährt einfach mal nach Nordkorea oder China und spricht mit den Menschen.

  6. Ah, danke, kannte Losurdo überhaupt nicht.

    Auf die Schnelle nur ein Zitat finden können:

    »Stalin war also so ein Typ wie wir, nicht nur, dass er sich auch als Revolutionär verstanden und gelebt hat, sondern er war im wahrsten Sinne des Wortes eben auch ein Typ“

    …weiß nicht…sicher Stalin war ein »Typ«..aber die Ausdrucksweise ist schon etwas vulgär. Ist das wirklich von diesem Losurdo?

    …wie auch immer, ganz sicher von Dr Sun Yat-sen ist:

    »Oriental civilization is the rule of Right; Occidental civilization is the rule of Might. The rule of Right respects benevolence and virtue, while the rule of Might only respects force and utilitarianism. The rule of Right always influences people with justice and reason, while the rule of Might always oppresses people with brute force and military measures.«

    und sieht dabei die Sache des »Pan-Asiatismus« doch durchaus realistisch befördert duch die militärischen Erfolge Japans:

    »Since the day of Japan’s victory over Russia, the peoples of Asia have cherished the hope of shaking off the yoke of European oppression, a hope which has given rise to a series or independence movements — in Egypt, Persia, Turkey, Afghanistan, and finally in India. Therefore, Japan’s defeat of Russia gave rise to a great hope for the independence of Asia.«

    …was ihn andererseits verständlicherweise sehr beunruhigt hat:

    »Japan to-day has become acquainted with the Western civilization of the rule of Might, but retains the characteristics of the Oriental civilization of the rule of Right. Now the question remains whether Japan will be the hawk of the Western civilization of the rule of Might, or the tower of strength of the Orient. This is the choice which lies before the people of Japan.«

    Nanu-? Wie konnte das passieren? Durch kapitalistische Entwicklung industrialisiert und militarisiert genug, um Port Arthur erfolgreich zu belagern und schließlich nur noch gerade so halbwegs »morgenländisch«? Sollte die ökonomische Basis eine Rolle gespielt haben? Bekanntlich betrachtete Sun Yat-sen diese als nachgeordnet. Es ging ihm um Prinzipien. In diesem Fall wohl um eines besonders: Wasch mir den Pelz, aber mach´ mich nicht nass!

    Er starb 1925 und konnte die »panasiatischen« Erfolge des japanischen Kaiserreiches bei der »Befreiung« der Manschurei nicht mehr erleben. Das Kaiserreich Manschuko wurde 1932 ins Leben gerufen. Ein voller Erfolg, der Laden brummte und konnte nach dem Abschluss des japanisch-sowjetischen Neutralitätspakts noch eine Menge Rohstoffe für die »Befreiung« anderer asiatischer Länder liefern.

    Erfolgreicher Pan-Asiatismus, rot nur in einem sehr »organischen« Sinn, aber sehr real:

    Eindrucksvoll mit Folkore:

    https://www.youtube.com/watch?v=M1ISUeBY-mU

    1. Losurdo hat einige nützliche Sachen zum Liberalismus, Kolonialismus usw. geschrieben, ist aber leider ein Revisionist, Dengist und beteiligt sich an so schändlichen Diffamierungen der Sowjetunion wie sie gerne auch Nazis betreiben:

      « in reality, the mechanisms of the Soviet state were the same things done by Western liberal democracies at the time. For instance, France casually killed 10 million Algerians«

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert