Frühe Bioterrorismus-Szenarien der Johns Hopkins University

Auf den Spuren der Ursprünge der »Biosicherheit«

Einleitung

Inzwischen ist allgemein bekannt, dass »Covid-19« zwei Jahrzehnte Planungsübungen zum Thema »Pandemievorsorge« vorausgingen, die treffender als Kriegsspiele beschrieben werden können (Kennedy Jr., 2021, S. 382; Hughes, 2024, S. 227 – 228).

Weniger beachtet wird die entscheidende Rolle einer Gruppe von Wissenschaftlern an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health bei der Initiierung dieser Übungen – nicht als Übungen zur »Pandemievorsorge«, sondern als fiktive Bioterrorismus-Szenarien. »Dark Winter« (2001) ist in dieser Hinsicht berüchtigt geworden, doch gingen dem bereits zwei fiktive Szenarien mit Pocken und Anthrax im Jahr 1999 sowie eine Krisensimulation namens »TOPOFF« im Jahr 2000 voraus.

Dieser Artikel befasst sich mit diesen verschiedenen Veröffentlichungen aus den Jahren 1999 bis 2001, um die Ursprünge der »Biosicherheit« im Kontext des »Kriegs gegen den Terror« sowie den wissenschaftlichen Betrug, auf dem sie beruht, aufzuzeigen. Zahlreiche falsche Annahmen, die von Anfang an in den Bioterrorismus-Szenarien verankert waren, haben seitdem das Denken über Notfälle im Bereich der öffentlichen Gesundheit immer wieder untergraben.

Das Johns Hopkins Center for Civilian Biodefense Studies (Zentrum für zivile Studien zur biologischen Verteidigung)

Im Jahr 1998 gründete Dekan A. Henderson das Center for Civilian Biodefense Studies an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. Das erklärte Ziel bestand darin, das Bewusstsein für die Gefahren zu schärfen, die von biologischen Waffen wie Pocken und Milzbrand ausgehen – die Terroristen gegen die Bevölkerung einsetzen könnten – und entsprechende politische Strategien zu entwickeln (Rienzi, 2001).

Henderson wird – zu Recht oder zu Unrecht – zugeschrieben, das Programm geleitet zu haben, das schließlich dazu führte, dass die WHO die Pocken 1980 für ausgerottet erklärte. Das Ende der routinemäßigen Pockenimpfung, so argumentierte er, schaffe eine neue Anfälligkeit für den Fall, dass Pocken im Rahmen eines Biowaffenangriffs eingesetzt würden, auf den die öffentlichen Gesundheitssysteme schlecht vorbereitet seien.

Im Jahr 1999 veröffentlichte das Center for Civilian Biodefense Studies zwei fiktive Szenarien zu Pocken- und Milzbrand-Anschlägen in den Vereinigten Staaten, die angeblich »zum Nachdenken anregen und einen Dialog anstoßen sollten, um die Unsicherheiten und Herausforderungen des Bioterrorismus zu beleuchten« (O’Toole, 1999; Inglesby, 1999).

Eine der Autorinnen dieser Szenarien, Tara O’Toole, war anschließend von 2009 bis 2013 als Unterstaatssekretärin für Wissenschaft und Technologie im Ministerium für Innere Sicherheit tätig und wurde 2014 zur geschäftsführenden Vizepräsidentin von In-Q-Tel (dem Risikokapitalarm der CIA) ernannt. Der andere Autor, Thomas Inglesby, spielte eine herausragende Rolle bei »Event 201«, das einen globalen Coronavirus-Ausbruch prognostizierte, nur wenige Wochen bevor das »neuartige Coronavirus« Ende 2019 bekannt gegeben wurde.

Rückblickend wirken die beiden Szenarien mit ihren übertriebenen Schilderungen einer sich zuspitzenden Katastrophe fast schon karikaturhaft. Da beide Szenarien strukturell ähnlich sind – in beiden Fällen wird eine US-amerikanische Stadt von einer tödlichen Infektionskrankheit überrollt, deren Ausbreitung nicht eingedämmt werden kann –, reicht es aus, nur eines davon zu betrachten, um den Kern der Sache zu erfassen.

Pocken: Ein Angriffsszenario

Das Pocken-Szenario handelt von einem bioterroristischen Anschlag während eines Besuchs des Vizepräsidenten in einer fiktiven Stadt mit 2,5 Millionen Einwohnern (O’Toole, 1999). Der Anschlag findet am 1. April statt, einem Tag, den Geheimdienste offenbar besonders gerne nutzen, um Eingeweihten zu signalisieren, dass es sich um einen Scherz handelt (Hughes, 2025).

»Nur ein Terrorist, der durch die Ressourcen eines Schurkenstaates unterstützt wird, wäre in der Lage, Pocken zu beschaffen und einzusetzen«, beginnt O’Toole (1999) und liefert damit einen theoretischen Vorwand für einen Angriff auf den »Schurkenstaat«. Ähnlich wie beim »Project for a New American Century« (2000) und dessen Vorwegnahme eines »katastrophalen und auslösenden Ereignisses – wie ein ’neues Pearl Harbor‹« wurden die Keime für einen verheerenden, staatlich geförderten Terroranschlag gegen die Vereinigten Staaten bereits vor dem »11. September« gesät.

O’Toole’s (1999) Szenario eines Pockenangriffs erweist sich als äußerst unrealistisch. Es basiert auf einer Reihe von Annahmen, die wenig bis gar nichts mit der tatsächlichen Geschichte der Pocken oder dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand darüber zu tun haben. Da der in dem Szenario verwendete Pockenstamm nicht gentechnisch verändert ist (das heißt, er unterscheidet sich nicht von dem, was historisch belegt ist), gibt es für dieses Versagen eines vermeintlichen Experten für öffentliche Gesundheit keine vernünftige Entschuldigung.

Weitaus wahrscheinlicher ist es – in Anlehnung an Kennedy Jr.s (2021, S. 382) Beschreibung von O’Toole als »CIA-Agent« –, dass wir es hier mit einer Unterwanderung der Wissenschaft durch den US-Geheimdienst zu tun haben, um eine imaginäre Bedrohung zu schaffen, die potenziell für politische Zwecke genutzt werden könnte, wie beispielsweise die Entscheidung, in ein anderes Land einzumarschieren.

Ansteckung

Die grundlegende Prämisse des Szenarios von O’Toole (1999) ist, dass Pocken erfolgreich als biologische Waffe eingesetzt und von Terroristen verbreitet wurden.

Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass waffenfähige Pocken jemals existiert haben oder existieren könnten (Billauer, 2017, S. 365). Um effektiv als Waffe eingesetzt werden zu können, müssten sie sich über die Luft verbreiten, was bestenfalls selten vorkommt – trotz einiger Berichte über solche Vorfälle in Krankenhäusern und Labors, wo das Risiko verringert werden kann (CDC, 2024). Historisch gesehen soll die Übertragung über die Luft nur bei einem einzigen bekannten Pockenausbruch (1970 in Meschede, Deutschland) eine Rolle gespielt haben, doch gibt es viele Gründe für Zweifel (Billauer, 2017, S. 389 – 390). Tatsächlich wurde der Übertragungsweg der Pocken nie abschließend geklärt (Milton, 2012).

In dem von O’Toole (1999) beschriebenen Szenario zeigen die Patienten 11 Tage nach dem Angriff erste Symptome, werden jedoch mit Ibuprofen nach Hause geschickt und angewiesen, viel zu trinken. Am 15. Tag wird erstmals eine Pockeninfektion bestätigt, woraufhin der Krankenhaus-Epidemiologe einen Notfall wegen einer ansteckenden Krankheit ausruft.

Dies impliziert, dass die Pocken in den ersten zehn Tagen von Patienten ohne offensichtliche Symptome verbreitet wurden. Laut CDC (2024) gelten Pockenpatienten jedoch »ab dem Zeitpunkt, an dem die ersten Bläschen im Mund oder Rachen auftreten« als ansteckend. Historisch gesehen wurden Pocken zudem »durch direkten und relativ lang anhaltenden Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt zwischen Menschen verbreitet«. Wie genau sollten sich die Pocken in dem Szenario also verbreitet haben?

Man fühlt sich an die Behauptung aus dem Jahr 2020 erinnert, dass die »asymptomatische Übertragung« die »Covid-19-Pandemie« vorangetrieben habe, wobei eine tödliche Krankheit angeblich von äußerlich gesunden Menschen verbreitet worden sei. Solche Behauptungen haben offensichtlich etwas Fiktives an sich.

Die Verzögerung bei der Diagnose wird in diesem Szenario bedrohlich dargestellt, als hätte die Pockenkrankheit reichlich Zeit gehabt, sich ungehindert auszubreiten. Historisch gesehen wurden Pocken jedoch häufig erst nach mehr als zwei Wochen, in manchen Fällen sogar erst nach über vier Wochen, diagnostiziert, was jedoch nie zu einer außer Kontrolle geratenen Epidemie führte (Wehrle et al., 1970, S. 676). Heute erfolgen Labortests schneller als früher, sodass es noch weniger Grund zur Sorge gibt.

In dem Szenario treten Fälle der zweiten, dritten und vierten Generation auf, wobei sich die Ansteckung von Generation zu Generation offenbar mit annähernd derselben Rate ausbreitet. Bei den Pockenepidemien des letzten Jahrhunderts wurde die maximale Replikationsrate jedoch in der Regel bereits in der ersten (oder vielleicht zweiten) Generation erreicht und ging danach stark zurück (Billauer, 2017, S. 399).

Am Ende des Szenarios, zweieinhalb Monate später, wurden in 20 US-Bundesstaaten 15.000 Pockenfälle gemeldet, die zu über 2.000 Todesfällen führten (darunter ein Secret-Service-Agent und Mitarbeiter des Vizepräsidenten, um politische Aufmerksamkeit zu erregen). In vier weiteren Ländern (darunter England, Japan und Kanada) gibt es Pockenfälle.

Dennoch ist nie ganz klar, wie genau sich die Krankheit ausgebreitet hat; in einem Fall, in dem sie in einer Großstadt in einem anderen Bundesstaat auftrat, »gab es keinen erkennbaren Kontakt zu bekannten Pockenpatienten oder deren Kontaktpersonen«. Die Krankheit hat somit etwas Magisches an sich, das es ihr ermöglicht, an jedem Ort und zu jeder Zeit bedrohlich aufzutauchen.

Die Zahl der weltweit gemeldeten neuen Pockenfälle geht schließlich zurück, was auf Impfungen und den saisonalen Rückgang der Virusausbreitung bei wieder einkehrendem wärmerem Wetter zurückzuführen ist. Die Pocken werden wieder endemisch.

Dies wirkt jedoch wie ein deus ex machina, wenn man bedenkt, dass in diesem Szenario nur unzureichende Impfstoffvorräte zur Verfügung stehen (siehe unten) und sich die Krankheit scheinbar unaufhaltsam ausbreitet. Es erinnert daran, wie Omicron im Dezember 2021 noch die neueste bedrohliche Variante war, nur um wenige Wochen später aus den Schlagzeilen zu verschwinden. In keinem der beiden Fälle wirkte das Ende der Krise besonders überzeugend.

Angst

Obwohl die historische Erfahrung und die Epidemiologie darauf hindeuten, dass kein Grund zur Panik besteht, breitet sich die Angst in O’Tooles (1999) Pocken-Szenario rasch aus. Dies hängt vor allem mit Spekulationen und Fehlinformationen in den Medien zusammen.

So versammeln sich beispielsweise lokale und nationale Nachrichtensender vor dem Krankenhaus, das nach der ersten bestätigten Infektion von der Polizei abgeriegelt wurde. Es kursieren Gerüchte darüber, um welche ansteckende Krankheit es sich handeln könnte. Hochrangige Amtsträger – vom Bürgermeister und Gouverneur bis hin zum FBI-Direktor und Präsidenten – treten im Fernsehen auf, um die öffentliche Wahrnehmung des Vorfalls zu lenken.

Da in der ganzen Stadt und in einem angrenzenden Bundesstaat immer mehr Pockenfälle festgestellt werden, berichten die Medien, dass die Regierung nicht weiß, wie weit der Ausbruch möglicherweise verbreitet ist. Das CDC (Zentren für Seuchenbekämpfung und -prävention) versetzt alle Gesundheitsbehörden der Bundesstaaten wegen eines möglichen Pockenausbruchs in Alarmbereitschaft.

Falsche Meldungen über einen weiteren Ebola-Ausbruch sorgen für Chaos und Verwirrung. Hochrangige Beamte verlangen eine Erklärung, warum sie darüber nicht informiert wurden. Mitarbeiter des Gesundheitswesens legen die Arbeit nieder. Patienten strömen in Scharen in Notaufnahmen und Arztpraxen und verlangen Impfungen sowie die Untersuchung ihrer Symptome.

Die Ironie dabei ist, dass O’Tooles (1999) Szenario selbst ein Hauptgrund für die Angst vor einer möglichen Pockenepidemie ist. Tatsächlich war es ausschlaggebend für die Entwicklung einer Reihe von Bioterrorismus-Simulationsübungen, die von O’Toole und ihren Kollegen an der Johns Hopkins University inszeniert wurden. Sie alle basierten auf pseudowissenschaftlichen Annahmen, um ein furchterregendes Szenario unerwartet realistisch erscheinen zu lassen. O’Toole räumte sogar ein, dass sie und ihre Kollegen »einen Teil der Verantwortung« dafür übernehmen müssten, den Pocken einen extrem beängstigenden Ruf verliehen zu haben, obwohl sie auch den Medien die Schuld gab (zitiert in Enserink, 2002, S. 1593).

Impfstoffe

Da sich die Pockenepidemie in diesem Szenario ausbreitet, übersteigt die Nachfrage nach Impfstoffen das Angebot bei weitem. Man geht davon aus, dass Massenimpfungen der richtige Weg sind.

Auch dies entspricht nicht der Realität. Was die Impfstoffversorgung angeht, stellte sich 2002 heraus, dass das US-Verteidigungsministerium über 75 bis 90 Millionen Dosen Pockenimpfstoff verfügte – mehr als genug, um einen potenziellen Ausbruch zu bewältigen (Billauer, 2017, S. 408 – 409). Der Pockenimpfstoff ist auch in verdünnter Form wirksam, was bedeutet, dass es zu diesem Zeitpunkt genug verdünnten Impfstoff für jede Person in den Vereinigten Staaten gab.

Was die Frage angeht, ob eine Massenimpfung zwangsläufig wünschenswert ist: Eine Ringimpfung (also die Abriegelung eines betroffenen Gebiets) bedeutet, dass eine Massenimpfung möglicherweise nicht erforderlich ist; außerdem ist nicht jeder anfällig für eine Infektion. Generell »gab es (und gibt es) keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine Massenimpfung der beste Mechanismus zum Schutz der Bevölkerung ist« (Billauer, 2017, S. 361 – 362).

In dem Szenario, in dem die Impfstoffvorräte nur für 15 Prozent der Bevölkerung der betroffenen Bundesstaaten ausreichen, wird ein »beschleunigtes Programm zur Crash-Produktion von Impfstoffen« angekündigt, das die Herstellungszeit für Impfstoffe auf 24 Monate verkürzen soll. Das mag angesichts heutiger Vorschläge, die Zeit auf 100 Tage zu verkürzen, altmodisch erscheinen, dient jedoch als Marker dafür, wann dieses rücksichtslose Bestreben, die Herstellungszeit für Impfstoffe zu verkürzen (ohne Rücksicht auf langfristige Sicherheitsdaten), begann.

Vertreter des Justizministeriums stellen in dem Szenario Fragen zu »möglichen rechtlichen Haftungsrisiken im Zusammenhang mit Impfstoffnebenwirkungen«, doch die Impfungen werden trotzdem fortgesetzt. Die Eile bei der Impfung wirkt somit rücksichtslos, ähnlich wie es in der Realität im Jahr 2020 der Fall war, obwohl die Gewinne für die Impfstoffhersteller natürlich enorm sein werden – was von O’Toole (1999) nicht erwähnt wird.

Nicht-pharmazeutische Maßnahmen

Der Nationale Sicherheitsrat (NSC) schlägt eine stadtweite Quarantäne sowie Reiseverbote vor, die jedoch von den staatlichen Behörden abgelehnt werden. Im weiteren Verlauf des Szenarios kommt es zu zivilen Unruhen, woraufhin die Nationalgarde hinzugezogen wird, um die Polizei bei der Aufrechterhaltung der Ordnung in den betroffenen Gebieten zu unterstützen. Somit tendiert das Szenario konsequent in Richtung Kriegsrecht.

Eine häusliche Isolation von ungeimpften Kontaktpersonen wird im Szenario in Betracht gezogen, jedoch aus rechtlichen, logistischen und ethischen Gründen verworfen. Dieses »Problem« wurde während der Covid-Pandemie durch den Einsatz verschiedener Techniken der psychologischen Manipulation gelöst, um die Öffentlichkeit dazu zu bringen, der »Selbstisolation« und dem »Lockdown« zuzustimmen.

In diesem Szenario empfiehlt die CDC, Krankenhauspatienten mit Fieber, bei denen keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann, unter Quarantäne zu stellen, doch die Krankenhäuser wenden ein, dass sie es sich nicht leisten können, so viele Patienten zu isolieren. So lassen sich die Ursprünge der Propaganda von den »überlasteten Krankenhäusern« erkennen, die während der Covid-Pandemie eingesetzt wurde (siehe Hughes, 2024, S. 128 – 134).

In den betroffenen Gebieten sind Tourismus, Kleinunternehmen, der Besuch großer öffentlicher Veranstaltungen und der Schulbetrieb ebenso stark beeinträchtigt wie während der Covid-Pandemie. Der Inlands- und Auslandsreiseverkehr ist stark zurückgegangen, wobei einige Länder US-Bürger ohne Nachweis einer kürzlich erfolgten Pockenimpfung nicht einreisen lassen (was die Idee der »Impfpässe« aus dem Jahr 2020 vorwegnimmt). Andere Länder verhängen eine 14-tägige Quarantäne für alle, die aus dem Ausland ins Land einreisen (was die »Quarantänehotels« während der Covid-Pandemie vorwegnimmt).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir in O’Toole’s (1999) Szenario eines Pockenangriffs viele der gleichen Folgen beobachten, die auch während der Covid-Pandemie zu verzeichnen waren (zum Beispiel Behauptungen über eine asymptomatische Übertragung, die zur Schürung von Angst genutzt wurden, das Drängen auf Massenimpfungen, Reisebeschränkungen und wirtschaftliche Störungen), doch diese basieren nicht auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Vielmehr scheint das Szenario von Überlegungen im Zusammenhang mit dem »Krieg gegen den Terror« motiviert zu sein – und das zwei Jahre, bevor der »Krieg gegen den Terror« überhaupt begann.

TOPOFF (20. – 23. Mai 2000)

Die wenig bekannte TOPOFF-Übung vom Mai 2000 hat kaum Aufmerksamkeit erregt. Vielleicht liegt das daran, dass der wichtigste wissenschaftliche Artikel dazu (verfasst von Dean A. Henderson, Thomas V. Inglesby, Tara O’Toole und Thomas V. Inglesby Jr.) hinter einer Paywall liegt und offenbar nicht frei im Internet zugänglich ist (Henderson et al., 2001).

»TOPOFF« ist die Abkürzung für »top officials« (Spitzenbeamte). Die drei Millionen Dollar teure Übung simulierte, wie lokale, bundesstaatliche und föderale Behörden auf einen Chemiewaffenvorfall in Portsmouth, New Hampshire, einen radiologischen Vorfall im Großraum Washington, D.C., sowie einen bioterroristischen Anschlag mit der Freisetzung von Yersinia pestis (Pest) in Form eines Aerosols in Denver, Colorado, reagieren würden. Henderson et al. (2001) befassen sich ausschließlich mit dem letztgenannten Fall.

Die Kosten und der Umfang von TOPOFF sind bezeichnend für die Planung auf Regierungsebene zur Bewältigung eines Chemischen, Biologischen, Radiologischen und Nuklearen (CBRN) Angriffs. Es scheint sich um die erste Simulation zu handeln, die sich mit einem bioterroristischen Angriff befasst.

Der wohl interessanteste Aspekt des Berichts von Henderson et al. (2001) ist der Anhang, in dem es heißt:

Das Gesetz zur Abwehr von Massenvernichtungswaffen von 1996, gemeinhin als ›Nunn-Lugar-Domenici-Gesetz‹ bezeichnet, bestimmt das Verteidigungsministerium als ›die federführende Behörde zur Verbesserung der innerstaatlichen Vorsorge für die Reaktion auf den Einsatz von [Massenvernichtungswaffen] durch Terroristen und die Bewältigung der Folgen‹. Im Haushaltsjahr 1997 erhielt das Verteidigungsministerium 36 Millionen US-Dollar, womit es das Domestic Preparedness Program (Programm zur innerstaatlichen Vorsorge) ins Leben rief, um die bestehende Ausbildung der Ersthelfer im Umgang mit terroristischen Vorfällen unter Einsatz radiologischer, nuklearer, chemischer und biologischer Waffen zu verbessern […] (Henderson et al., 2001, S. 444).

Hier erfahren wir, dass »Vorsorge« (preparedness) ein militärischer Begriff ist und dass das Pentagon bereits 1997 entsprechende Programme ins Leben gerufen hat.

Am 15. März 2000 wurde der Colorado House Bill 00-1077 (Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses von Colorado 00-1077) verabschiedet, mit dem ein 19-köpfiger »Ausschuss für Notfallmaßnahmen bei Epidemien« eingerichtet wurde, der den Gouverneur während einer Epidemiekrise fachlich beraten sollte und dabei rechtliche Immunität genoss (Hoffman & Norton, 2000). Auch Krankenhäusern wurde rechtliche Immunität gewährt, sofern sie während einer solchen Krise die Anordnungen des Gouverneurs befolgten. Der Gesetzentwurf forderte zudem Gesundheitseinrichtungen dazu auf, bestimmte Standards für die Bewältigung einer solchen Krise einzuführen (Henderson et al., 2001, S. 444). Diese reale Entwicklung ist der Grund dafür, dass TOPOFF in Colorado angesiedelt wurde.

Im Zusammenhang mit einer Epidemie-Krise zeigte TOPOFF Probleme in Bezug auf Führung und Entscheidungsfindung, die Priorisierung und Verteilung knapper Ressourcen (insbesondere Antibiotika), die Überlastung der Gesundheitssysteme sowie die Eindämmung der Ausbreitung von Krankheiten auf (Henderson et al., 2001, S. 436). Ähnliche Erkenntnisse ließen sich angeblich auch auf andere Infektionskrankheiten wie Pocken oder eine Influenza-Pandemie übertragen (Hoffman & Norton, 2000).

Ansteckung

Das Konzept der Ansteckung war für TOPOFF von entscheidender Bedeutung, denn wie ein Teilnehmer feststellte:

Viele frühere Bioterrorismus-Übungen befassten sich mit nicht ansteckenden Krankheiten. Erst als die Übung zu Ende ging, wurde uns allmählich bewusst, wie dramatisch anders diese Situation war […] Sie wies alle [Merkmale] einer außer Kontrolle geratenen Epidemie auf (zitiert in Henderson et al., 2001, S. 443).

Tatsächlich kann nur eine ansteckende und tödliche Krankheit, die außer Kontrolle zu geraten droht, die autoritären Maßnahmen legitimieren, die zu ihrer Eindämmung erforderlich sind.
Die Simulation wurde von »Kontrollpersonen« geleitet, die den Teilnehmern an entscheidenden Punkten »Impulse« (sprich neue Informationen) gaben. Dies verlieh der Übung den Anschein, stark vorab festgelegt zu sein:

Ein Teilnehmer merkte an, dass es vorprogrammiert schien, dass sich die Pestepidemie über die lokalen Kontrollmöglichkeiten hinaus ausbreiten würde. Zu den weiteren unrealistischen Annahmen des Szenarios gehörten ein höheres Risiko der Übertragung von Mensch zu Mensch als historisch belegt sowie ein labordiagnostisches Verfahren, das lediglich auf dem Papier getestet worden war. (Henderson et al., 2001, S. 437).

So wie bei O’Tooles (1999) Pocken-Szenario beruhten auch die durch TOPOFF erzeugten »außerordentlich belastenden Bedingungen« auf zweifelhaften Annahmen hinsichtlich Ansteckung und Testverfahren (Henderson et al., 2001, S. 436).

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Krankheit mit dieser Kombination aus Virulenz (Berichte über 3.700 Fälle mit 950 Todesfällen bzw. über 4.000 Fälle und über 2.000 Todesfälle) und rascher Ausbreitung (innerhalb von vier Tagen auf andere US-Bundesstaaten, England und Japan) auftritt, erscheint angesichts der Erfahrungen aus der Praxis sehr gering.

Quelle: Henderson et al., 2001, S. 438

Henderson et al. (2001) erwähnen die asymptomatische Übertragung zwar nicht, doch diese ist für das Konzept einer hochansteckenden, tödlichen Krankheit von entscheidender Bedeutung, da die Krankheit andernfalls den Wirt schnell tötet und dadurch die Ausbreitung eindämmt. Die asymptomatische Übertragung war ein zentraler Bestandteil der »SARS-CoV-2«-Propaganda im Jahr 2020.

Überlastete Krankenhäuser

Ähnlich wie in der »Covid-19«-Krankenhauspropaganda (Hughes, 2024, S. 128 – 134) sind die Krankenhäuser in TOPOFF schnell überlastet und verfügen nicht über genügend Antibiotika, Beatmungsgeräte und Betten, um einen zehnfachen Anstieg der Patientenzahlen zu bewältigen, darunter auch die »besorgten Gesunden« (Henderson et al., 2001, S. 438, 441). Ein Krankenhaus kann die Leichen nicht schnell genug entsorgen, sodass sie sich in der Notaufnahme und auf den Stationen ansammeln. Das Konzept eines »Sicherheitslockdowns« (security lockdown) in Krankenhäusern wird diskutiert, aber als undurchführbar erachtet. Dies ist die früheste mir bekannte Verwendung des Begriffs »Lockdown« im Zusammenhang mit des Kontextes Katastrophenvorsorge (preparedness).

Ein Punkt, der in TOPOFF nicht direkt angesprochen wird, ist die Frage, »wie Entscheidungsträger erkennen könnten, dass ein Krankenhaus überlastet ist, da es weder historische Präzedenzfälle noch Systeme gibt, um eine solche Einschätzung vorzunehmen« (Henderson et al., 2001, S. 441). Auch hier haben wir es wieder mit Fiktion und hypothetischen Annahmen zu tun – oder, im Fall von »Covid-19«, mit Propaganda.

Gerade weil Patienten mit Lungenpest nicht isoliert werden können, wird die Ausgangssperre für die allgemeine Bevölkerung verhängt (Hoffman & Norton, 2000). Somit wird deutlich, dass bevölkerungsweite Ausgangssperren auf der Darstellung beruhen, dass die Krankenhäuser überlastet seien. Während der »Covid-19«-Pandemie erwies sich diese Darstellung nachweislich als Lüge (Hughes, 2024, S. 128 – 134).

Entscheidungsfindung

Im Rahmen von TOPOFF war unklar, wer die Leitung innehatte, da die Teilnehmer auf die staatliche Gesundheitsbehörde, die Generalstaatsanwaltschaft und die Bundespolizei als Führungskräfte blickten (Henderson et al., 2001, S. 438 – 439). Sie beklagten die Zersplitterung der Verantwortlichkeiten, langwierige und ineffiziente Telefonkonferenzen, die zu Unentschlossenheit führten, sowie die Unfähigkeit der verschiedenen Notfallzentren, das Management zu koordinieren und wirksame Entscheidungen zu treffen.

An dieser Stelle wird der antidemokratische Charakter des Vorgehens deutlich. Ein Teilnehmer merkte an: »Im Bereich der öffentlichen Gesundheit erfolgen die meisten Entscheidungen durch demokratische Prozesse und Konsensbildung, aber bei manchen Entscheidungen kann das nicht funktionieren« (zitiert in Henderson et al., 2001, S. 439). Die Logik dahinter lautet: In einem Ausnahmezustand muss die öffentliche Gesundheit einer zentralisierten Führung und Kontrolle untergeordnet werden, wie wir während der Covid-Pandemie gesehen haben (Corbett, 2021). Die Planung, wie dies funktionieren soll, ist der eigentliche Sinn von »Vorsorgeübungen«.

In einer interessanten Wendung traf der Krisenstab des Gouverneurs von Colorado – da der Gouverneur selbst nicht an der Simulation teilgenommen hatte – letztendlich de facto die Entscheidungen, obwohl er dazu rechtlich nicht befugt war (Henderson et al., 2001, S. 439). Dies ist ein früher Vorläufer der Auslagerung der Entscheidungsfindung (oder des Anscheins einer Auslagerung) an »Experten« während der Covid-Pandemie.

Eindämmung der Ausbreitung von Krankheiten

Für zwei der Teilnehmer war die »wichtigste Erkenntnis«, die sie aus TOPOFF gewonnen hatten, dass die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen nicht zurückgehen würde, solange die Ausbreitung der Krankheit nicht eingedämmt würde (Hoffman & Norton, 2000). Der entscheidende Punkt hierbei ist, dass das Konzept einer hochansteckenden, tödlichen Krankheit universelle und nicht nur lokale (zum Beispiel auf Stadtebene) Gültigkeit hat. Dies erfordert letztlich eine Infrastruktur der »globalen Gesundheit«, die in der Lage ist, autoritäre Maßnahmen auf Knopfdruck umzusetzen – wie die Planer sicherlich wussten.

Zu den im Rahmen von TOPOFF ergriffenen Maßnahmen gehörten Reiseverbote, Ausgangsbeschränkungen für Gesunde und das Tragen von Gesichtsmasken (»Staubmasken«), die später allesamt Bestandteile der Reaktion auf »Covid-19« waren. Zudem wurde der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass eine Ansteckung nur dann stattfinden könne, »wenn man sich in einem Abstand von 1,80 m zu einer infizierten Person befindet, die hustet« (Henderson et al., 2001, S. 438). Hier sehen wir den Ursprung der menschenverachtenden Maßnahmen zum »Social Distancing« im Jahr 2020. Es ist auffällig, dass solche politisch und wissenschaftlich zweifelhaften Maßnahmen bereits ein fester Bestandteil der »Vorsorgeübungen« waren – und nie in Frage gestellt wurden.

Die Anordnung zum Daheimbleiben im Rahmen von TOPOFF war besonders problematisch. Wie ein Beobachter feststellte: »Man hat einer Million Menschen gesagt, sie sollen zu Hause bleiben. Wie hätten wir das durchsetzen sollen?« (zitiert in Henderson et al., 2001, S. 442). Die Polizei und die Nationalgarde räumten ein, dass sie nicht in der Lage gewesen wären, diese Anordnung durchzusetzen. Die Kommunikation und der Einsatz der Medien gewannen daher entscheidende Bedeutung. Ein Vorschlag lautete, »der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass dies mit der ›Grippeepidemie von 1918‹ vergleichbar sei« (Henderson et al., 2001, S. 442) – eine Lüge, die tatsächlich im Jahr 2020 verwendet wurde (Hughes, 2024, S. 120 – 122).

Die Planer von TOPOFF waren sich bewusst, dass die Kommunikation darüber entscheiden würde, inwieweit Menschen in Panik möglicherweise nicht die benötigte medizinische Versorgung in Anspruch nehmen oder alternativ die Gesundheitseinrichtungen gefährlich überfüllen würden (Henderson et al., 2001, S. 442). Während der Covid-Pandemie führten Botschaften wie »BLEIBT ZU HAUSE. RETTET LEBEN. SCHÜTZT DEN NATIONALEN GESUNDHEITSDIENST (NHS)« dazu, dass Krankenhäuser nicht ausgelastet waren, während die Wartelisten für Patienten und die Zahl der Todesfälle zu Hause dramatisch anstiegen (Hughes, 2024, S. 129 – 132).

Die Schließung der Staatsgrenzen, die im Rahmen von TOPOFF beschlossen wurde, wurde von Beobachtern als »realitätsfern« eingestuft, da sie zu Unterbrechungen bei der Versorgung mit Lebensmitteln und lebenswichtigen Gütern geführt hätte; im Rahmen der Übung kam es zu fiktiven Unruhen.

Es wurden sogenannte »Holding Tanks« vorgeschlagen (die jedoch nicht umgesetzt wurden), bei denen gesunde Menschen sieben Tage lang unter Quarantäne gestellt werden sollten, bevor sie den Bundesstaat verlassen durften (Henderson et al., 2001, S. 442). »Quarantänehotels« erfüllten während der Covid-Pandemie eine ähnliche Funktion, allerdings für Personen, die ins Land einreisten, anstatt es zu verlassen (Nickson & Mullens-Burgess, 2021).

Anstelle von Impfstoffen liegt der Schwerpunkt bei TOPOFF auf Antibiotika, die zur Vorbeugung oder Behandlung der Pest eingesetzt werden können. Diese sind knapp, sodass schwierige Entscheidungen darüber getroffen werden müssen, wer bei der Vergabe von Antibiotika Vorrang erhalten soll. Auch hinsichtlich der Frage, wie die Antibiotika sicher aus einer nationalen Reserve bereitgestellt werden können, stellen sich logistische und sicherheitsrelevante Probleme. In einem eigens dafür eingerichteten Zentrum können pro Stunde nur 140 Personen eine Antibiotikaprophylaxe erhalten – bei weitem nicht genug für eine Stadt mit einer Million Einwohnern (Henderson et al., 2001, S. 440). Dies steht in krassem Gegensatz zu »Covid-19«, als das Problem, wie man die gesamte Welt »impfen« könnte, auf wundersame Weise gelöst worden war.

Die Kontaktverfolgung war kein Bestandteil von TOPOFF, wurde jedoch im Falle einer »echten Epidemie« als entscheidend erachtet (Henderson et al., 2001, S. 442). Sie wurde im Jahr 2020 eingeführt, um die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, eine Überwachung bis hinunter auf die körperliche Ebene zu akzeptieren, wenn auch im Kontext einer »Pseudopandemie« (Davis, 2021).

Empfehlungen

TOPOFF kommt zu dem Schluss, dass bessere Systeme und Ressourcen geschaffen werden müssen, um einen Angriff der simulierten Art bewältigen zu können. Insbesondere bedarf es einer »starken und klaren Führung«, einer »effizienten Entscheidungsfindung« sowie der »kontinuierlichen Beratung durch ein multidisziplinäres Expertengremium« (Henderson et al., 2001, S. 443).

Trotz eines Verweises auf »bürgerliche Freiheiten« tendiert das fiktive Szenario, das auf zweifelhaften wissenschaftlichen Annahmen beruht, somit zur Technokratie. Echtzeitüberwachung, antidemokratische Herrschaft durch »Experten«, Befehlsgewalt und Kontrolle über die Bevölkerung sowie erhebliche Einschränkungen der persönlichen Freiheiten laufen auf eine Form des Autoritarismus hinaus, der im Namen der öffentlichen Gesundheit herbeigeführt wird.

Natürlich geht die Idee davon aus, dass solche Maßnahmen nur vorübergehend wären, bis der Notstand vorüber ist, doch wie Agamben (2005) erkannte, ist der durch den »Krieg gegen den Terror« geschaffene Ausnahmezustand faktisch dauerhaft: Demokratie und Rechtsstaatlichkeit können jederzeit außer Kraft gesetzt werden. Genau das haben wir im 21. Jahrhundert bei den »Notfall«-Reaktionen auf Terrorismus, Finanzkrise, die »Pandemie« und so weiter gesehen.

Dark Winter (22. – 23. Juni 2001)

Im Februar 2001 prognostizierte die US-Kommission für nationale Sicherheit im 21. Jahrhundert (die Hart-Rudman-Kommission) einen direkten Terroranschlag auf US-amerikanischem Boden und empfahl die Schaffung einer neuen Behörde für innere Sicherheit.

Im Juni 2001 arbeiteten das Johns Hopkins Center for Civilian Biodefense Strategies (gegründet 1998), das Center for Strategic and International Studies, das Analytic Services Institute for Homeland Security (gegründet im April 2001) sowie das Oklahoma National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism (gegründet im April 2000) gemeinsam an der Übung »Dark Winter«, die einen verdeckten Pockenangriff auf die Vereinigten Staaten Anfang Dezember 2002 simulierte – »die erste Übung dieser Art« (O’Toole et al., 2002, S. 972). Die Veranstaltung fand auf der Andrews Air Force Base vor den Toren von Washington, D.C., statt, was ihren militärischen Charakter unterstrich.

Der vordergründige Zweck von »Dark Winter« bestand darin, »das Bewusstsein hochrangiger Experten für nationale Sicherheit für das Ausmaß und den Charakter der von biologischen Waffen ausgehenden Bedrohung zu schärfen und Maßnahmen anzustoßen, die Präventions- und Reaktionsstrategien verbessern würden« (O’Toole et al., 2002, S. 972). Die Simulation umfasste drei Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrats (NSC), die über einen Zeitraum von 13 Tagen abgehalten wurden.

Die Übung erhielt ihren Namen aufgrund von Robert Kadlecs Behauptung, dass »es ein sehr dunkler Winter für Amerika werden könnte«, da es an Pockenimpfstoffen mangele. Kadlec hatte zudem seit dem Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 1993 vor einem unmittelbar bevorstehenden Anthrax-Anschlag gewarnt und gehörte zu einem Team von UN-Waffeninspektoren, das nach dem Golfkrieg vergeblich nach Saddam Husseins mutmaßlichen Anthrax- und Botulismus-Vorräten suchte (Kennedy Jr., 2021, S. 380).

Hauptakteure

Die »Hauptverantwortlichen für die Konzeption, Ausarbeitung und Leitung der Übung ›Dark Winter‹« waren Tara O’Toole und Thomas Inglesby (Johns Hopkins) sowie Randy Larsen und Mark DeMier (ANSER) (O’Toole et al., 2002, S. 972). O’Toole und Inglesby waren auch die Urheber der Pocken- und Anthrax-Szenarien von 1999 (O’Toole, 1999; Inglesby, 1999) sowie von TOPOFF.

Zu den Hauptakteuren der Simulation (und den von ihnen gespielten Rollen) gehörten: Sam Nunn (Präsident), James Woolsey (CIA-Direktor), Frank Wisner (Außenminister), Frank Keating (Gouverneur von Oklahoma), Margaret Hamburg (Ministerin für Gesundheit und Soziales), David Gergen (Nationaler Sicherheitsberater), George Terwilliger (Generalstaatsanwalt), John White (Verteidigungsminister), Jerome Hauer (Leiter der FEMA), John Tilelli (Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs), William Sessions (Direktor des FBI) und Paul Hanely (Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses).

Unter diesen Teilnehmern war der ehemalige Senator Sam Nunn, der die Rolle des Präsidenten spielte, für den »Nunn-Lugar-Domenici Act« von 1996 verantwortlich, der die »Vorsorge« gegen den Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch Terroristen in die Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums übertrug. Anfang 2001 gründete er gemeinsam mit Ted Turner die »Nuclear Threat Initiative«. Deren Leitgedanke ist, ähnlich wie bei den »Vorsorgeübungen«, die Planung radikaler Maßnahmen zur Bewältigung eines potenziell katastrophalen, aber höchst unwahrscheinlichen Ereignisses.

James Woolsey leitete die CIA zwischen 1993 und 1995. Seine Beteiligung an der Übung, ebenso wie die von Tara O’Toole, Randy Larsen und Ruth David, bestätigt für Robert F. Kennedy Jr. (2021, S. 35) »die allgegenwärtige, aber im Verborgenen bleibende Präsenz der Geheimdienste im Bereich der Biosicherheit und in allen Fragen rund um Impfstoffe«.

Darüber hinaus wurden fünf erfahrene Journalisten zur Teilnahme an einer simulierten Pressekonferenz eingeladen, nämlich Jim Miklaszewski von NBC, Mary Walsh von CBS, Sian Edwards von der BBC (die im folgenden Jahr als Assistenzproduzentin an der fiktiven Dokumentation Smallpox 2002: Silent Weapon mitwirkte), der freiberufliche Journalist Lester Reingold sowie Judith Miller von der New York Times (mehr zu ihr weiter unten).

Verbindungen zu »9/11«

Es gibt zahlreiche Verbindungen zwischen »Dark Winter« und dem 11. September (der drei Monate später stattfand), was es sehr wahrscheinlich macht, dass der US-Militärgeheimdienst sowohl hinter den »Vorsorgeübungen« als auch hinter den tatsächlichen Anschlägen stand.

So ist beispielsweise die Beteiligung des Oklahoma National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism an »Dark Winter« von Bedeutung, da sich klare Kontinuitätslinien vom Bombenanschlag in Oklahoma City im Jahr 1995 bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 nachzeichnen lassen, einschließlich der Ausarbeitung des USA Patriot Act und der Aushöhlung des Posse Comitatus-Gesetzes von 1878 (Hughes, 2024, S. 8 – 9).

Sam Nunn erklärte dem Kongress einen Monat nach »Dark Winter«, dass der 1991 verabschiedete »Soviet Nuclear Threat Reduction Act« (auch bekannt als Nunn-Lugar-Gesetz) »gewisse Ausnahmen von den Posse-Comitatus-Bestimmungen« beinhalte und »aktualisiert werden müsse« (zitiert in: Unterausschuss für nationale Sicherheit, Veteranenangelegenheiten und internationale Beziehungen, 2001). Die Militarisierung des innerstaatlichen Umfelds war somit ein gemeinsames Anliegen.

In »Dark Winter« wurden bei drei gleichzeitigen Anschlägen auf Einkaufszentren in Oklahoma City, Philadelphia und Atlanta 3.000 Menschen mit dem Pockenvirus infiziert (O’Toole et al., 2002, S. 974). In der Realität kamen elf Wochen später bei vier gleichzeitigen Anschlägen, an denen angeblich entführte Flugzeuge beteiligt waren, 3.000 Menschen ums Leben.

In »Dark Winter« geht der Geheimdienst – ausdrücklich ohne stichhaltige Beweise – davon aus, dass der Irak hinter dem biologischen Anschlag steckte. »Umfragen unter US-Bürgern zeigen eine überwältigende Zustimmung zu Vergeltungsmaßnahmen, sobald der Angreifer identifiziert ist« (O’ToTo et al., 2002, S. 979). Genau das geschah natürlich nach den Anschlägen vom 11. September.

In »Dark Winter« behauptet ein fiktiver Nachrichtensprecher, dass »der Irak möglicherweise die Technologie hinter den Anschlägen an in Afghanistan ansässige Terroristengruppen geliefert hat«. Die zweifelhafte Berichterstattung der »Dark Winter«-Teilnehmerin Judith Miller über die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen durch den Irak für die New York Times (von der sich die Zeitung später distanzieren wollte) wurde von der Bush-Regierung aufgegriffen, um die US-Invasion zu legitimieren.

Anthrax-Anschläge

In »Dark Winter« fordert ein an große Nachrichtenagenturen gesendeter anonymer Brief den sofortigen Abzug aller US-Streitkräfte aus Saudi-Arabien und aller Kriegsschiffe aus dem Persischen Golf, um neue Anschläge mit Anthrax und Pest zu verhindern (O’Toole et al., 2002, S. 979).

In der Realität wurden in den Wochen nach den Anschlägen vom 11. September (zwischen dem 18. September 2001 und dem 12. Oktober 2001) anonyme Briefe mit tödlichen Anthraxsporen an die Redaktionen großer Nachrichtenmedien und an zwei US-Senatoren verschickt, was zu 17 Infektionen und fünf Todesfällen führte. Der Johns-Hopkins-Bericht über »Dark Winter« vermerkt diesen Zufall, hält ihn jedoch seltsamerweise für völlig unauffällig (O’Toole et al., 2002, S. 982 – 983).

James Woolsey, Teilnehmer an »Dark Winter«, wurde von Paul Wolfowitz, einem der Hauptarchitekten des Irakkriegs, damit beauftragt, die irakische Beteiligung an den Anschlägen vom 11. September und den Anthrax-Ausbrüchen zu untersuchen (Harnden, 2001). Er bemühte sich unermüdlich, sogar unter Eid (Pringle 2005), die Öffentlichkeit von diesen nicht existierenden Verbindungen zu überzeugen.

Jerome Hauer, Teilnehmer an »Dark Winter«, war Geschäftsführer von Kroll Inc., das informell als »CIA der Wall Street« bekannt war und für die Sicherheit im World Trade Center zuständig war. Da er am 11. September 2001 nicht in seinem Büro im WTC anwesend war, riet er noch am selben Abend (also vor den Anthrax-Anschlägen) den Mitarbeitern von Vizepräsident Cheney, Ciprofloxacin einzunehmen, um einer Anthrax-Infektion vorzubeugen (Webb, 2020).

Richard Betts (1998, S. 32), der Verbindungen zur CIA hatte, zitierte eine Studie des US-amerikanischen Office of Technology Assessment aus dem Jahr 1993 und behauptete, dass »ein einziges Flugzeug, das 100 Kilogramm Anthraxsporen […] in Form eines Aerosols in einer klaren, windstillen Nacht über dem Großraum Washington, D.C., versprüht, zwischen einer Million und drei Millionen Menschen töten könnte«. Die Vorstellung, dass »ein solcher Angriff früher oder später stattfinden wird«, wurde von Lipschutz (1999, S. 412) bekräftigt. Die Milzbrandgefahr wurde somit bereits mehrere Jahre vor den tatsächlichen Anschlägen konstruiert.

In einer ausführlichen Untersuchung der Anthrax-Anschläge kommt der verstorbene Graeme Macqueen (2014) zu dem Schluss, dass »Insider tief im US-Staatsapparat« dafür verantwortlich waren und dass es sich dabei um »dieselben Personen handelte, die auch die Anschläge vom 11. September geplant hatten«. Angesichts der oben dargelegten Beweise scheint es schwer, dem zu widersprechen.

Die Anthrax-Anschläge sollten nach Ansicht von Macqueen (2014) »die Machtübernahme durch die Exekutive durch Einschüchterung des Kongresses und der US-Zivilgesellschaft erleichtern« und damit dazu beitragen, den »Krieg gegen den Terror« einzuleiten. Die beiden Senatoren, gegen die sich die Anschläge richteten – Patrick Leahy und Tom Daschle –, hatten beispielsweise versucht, den Drang zum Krieg aufzuhalten, doch am 26. Oktober 2001 wurde der USA PATRIOT Act verabschiedet.

Judith Miller hingegen erhielt harmloses weißes Pulver.

Wissenschaftlicher Betrug

»Dark Winter« basiert auf denselben fehlerhaften wissenschaftlichen Annahmen wie O’Toole’s (1999) Szenario eines Pockenangriffs. Angesichts der offensichtlichen politischen Motivation hinter dieser Übung können diese fehlerhaften Annahmen – die kein seriöser Experte für öffentliche Gesundheit treffen sollte – als wissenschaftlicher Betrug angesehen werden. Zusammenfassend lassen sie sich wie folgt darstellen:

(1) Da moderne Ärzte mit Pocken nicht vertraut sind, würde sich die Diagnose verzögern, wodurch unentdeckte Fälle andere anstecken könnten; (2) die heutige Bevölkerung ist größtenteils ungeimpft und daher anfälliger für Infektionen; (3) der zunehmende Flugverkehr würde die Ausbreitung der Pocken beschleunigen und die Rückverfolgung erschweren; (4) Pocken sind hochansteckend, stärker noch als häufige Krankheiten wie Grippe und Masern; (5) die Übertragung über die Luft ist ein wirksamer Weg, große Bevölkerungsgruppen mit einer Viruserkrankung zu infizieren; (6) es wird mindestens vier Ausbreitungsgenerationen geben; (7) die Replikationsrate wird über die vier Ausbreitungsgenerationen hinweg bei zehn bis zwanzig liegen; (8) die Letalitätsrate wird bei dreißig Prozent liegen; (9) Es wird keine ausreichenden Impfstoffvorräte für eine Massenimpfung geben – die bevorzugte Maßnahme zur Bekämpfung –, was zu Massenhysterie führen wird; und (10) es wird drei oder mehr Wochen dauern, bis genügend Impfstoff beschafft ist (Billauer, 2017, S. 376 – 377).

Einige dieser Punkte wurden bereits im oben erörterten Szenario eines Pockenangriffs behandelt, doch sind einige zusätzliche Anmerkungen angebracht.

So trifft es beispielsweise nicht zu, dass die heutige ungeimpfte Bevölkerung anfälliger für Pocken ist als früher. Um sich mit Pocken anzustecken, muss eine ausreichende Exposition vorliegen, um die Schwellenwertdosis zu erreichen; ein kurzer Kontakt reicht in der Regel nicht aus, um eine Erkrankung auszulösen – dies ging sogar so weit, dass die Variolation einst zur Vorbeugung der Krankheit eingesetzt wurde (Billauer, 2017, S. 401).

Weit davon entfernt, dass der internationale Flugverkehr die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie erhöht, ist die Zahl der Krankheitsausbrüche zurückgegangen, während der Flugverkehr stark zugenommen hat (Billauer, 2017, S. 404). Dies hängt wahrscheinlich mit einer erhöhten Widerstandsfähigkeit der Wirte zusammen, die auf den modernen, industrialisierten Lebensstil mit besserer Hygiene, medizinischer Versorgung, medizinischen Maßnahmen und Ernährung zurückzuführen ist (Roberts, 2003, S. 660).

Pocken sind weitaus weniger ansteckend als Masern und verschiedene Grippeviren; laut Enserink (2002, S. 1592) handelt es sich um »eine kaum ansteckende und sich sehr langsam ausbreitende Infektion«.

Nicht nur ist die Übertragung von Pocken über die Luft aus den oben genannten Gründen zweifelhaft, sondern »Dark Winter« geht auch fälschlicherweise davon aus, dass das Winterwetter in Oklahoma City im Dezember 2002 die Ausbreitung des Virus begünstigen würde. Tatsächlich gab es Anfang Dezember 2002 in Oklahoma City einen Eis- und Schneesturm, was bedeutet, dass die Menschen größtenteils zu Hause geblieben wären, anstatt hinauszugehen und das Virus zu verbreiten (Billauer, 2017, S. 372).

Wie in O’Tooles (1999) Pocken-Szenario dauert die Pockenepidemie in »Dark Winter« drei bis vier Generationen, wobei in der ersten Generation 3.000 Menschen infiziert werden und in der vierten 3.000.000 – was eine annähernd konstante Replikationsrate über alle vier Generationen hinweg impliziert (Billauer, 2017, S. 365). Dies ist aus den oben genannten Gründen Unsinn.

»Dark Winter« geht von einer Replikationsrate von mindestens zehn für Pocken aus, was laut dem Spezialisten für biologische Waffen Milton Leitenberg mehr als das Dreifache des historischen Durchschnitts beträgt (zitiert in Bain & Cirincione, 2006). Laut einem Team unter der Leitung von Martin Meltzer von den CDC entspricht eine Replikationsrate von zwei eher den tatsächlichen Epidemien der Vergangenheit (siehe Enserink, 2002, S. 1593).

»Dark Winter« geht von »bis zu drei Millionen Fällen und einer Million Todesfällen durch Pocken« aus, was einer Letalitätsrate (CFR) von 33 Prozent entspricht (O’Toole et al., 2002, S. 975). Die höchste im letzten Jahrhundert verzeichnete Letalitätsrate bei Pocken lag jedoch zwischen 15 Prozent und 20 Prozent, und in nicht-endemischen Ländern sank sie nach dem Zweiten Weltkrieg auf 16 Prozent oder darunter (Billauer, 2017, S. 403).

In »Dark Winter« stehen zum Zeitpunkt des Ausbruchs 12 Millionen Impfdosen zur Verfügung, wobei neue Impfdosen frühestens in vier Wochen verfügbar sein werden. Die Impfstoffknappheit löst in der Übung Panik und Hysterie aus. In Wirklichkeit verfügte die CDC im Dezember 2002 jedoch über 15 Millionen Impfdosen, das US-Verteidigungsministerium über weitere 75 bis 90 Millionen Dosen. Zudem stellte Anthony Fauci fest, dass eine Verdünnung des Impfstoffs im Verhältnis 1:10 wirksam sei, was bedeutete, dass mehr als genug Impfstoff für die gesamte US-Bevölkerung vorhanden war (Billauer, 2017, S. 366).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass »Dark Winter« keineswegs auf wissenschaftlicher Expertise beruht, sondern sich als nichts weiter als »eine erfundene Fabel« erweist, die keinen erkennbaren Bezug zur Realität hat (Billauer, 2017, S. 364).

Der Angriff auf die bürgerlichen Freiheiten

Der wissenschaftliche Betrug in »Dark Winter« ist keineswegs harmlos, denn er wird dazu genutzt, die drakonischsten Maßnahmen als Reaktion auf den fiktiven Bioterroranschlag zu legitimieren.

So ist beispielsweise das Bestreben, in »Dark Winter« den Ausnahmezustand einzuführen, unbestreitbar. Eine Folie aus der ursprünglichen Präsentation thematisiert »zwangsweise Einschränkungen für Bürger« und die »Notwendigkeit des Ausnahmezustands«.

Quelle: Democracy Manifest, 2024, mit ergänztem Veranstaltungsdatum

O’Toole et al. (2002, S. 978) unterstreichen die Notwendigkeit autoritärer Maßnahmen und stellen folgende Fragen:

Sollten Pockenpatienten in speziellen Einrichtungen untergebracht werden? Sollten Kontaktpersonen der Patienten gezwungen werden, zu Hause oder in speziellen Einrichtungen zu bleiben, bis ihre Pockenfreiheit nachgewiesen ist? Sollten landesweite Reisebeschränkungen verhängt werden? Wie lässt sich die Eindämmung der Krankheit am besten gegen wirtschaftliche Beeinträchtigungen und den Schutz der bürgerlichen Freiheiten abwägen? Inwieweit kann und sollte der Staat in die bürgerlichen Freiheiten eingreifen? Unter welchen Bedingungen dürfen diese Befugnisse ausgeübt werden?

Das ist dreist. Ein wesentliches Ziel der Übung bestand offenbar darin, auszuloten, wie weit die Regierung unter dem Vorwand eines Bioterroranschlags bei der Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten gehen könnte. Auch dies geschah drei Monate vor dem »11. September«, was darauf hindeutet, dass die Planungen, Terroranschläge zur Aushöhlung der bürgerlichen Freiheiten zu nutzen, bereits weit fortgeschritten waren.

Impfstoffe

Wie sollten die Impfstoffe am besten verteilt werden, wenn im Szenario »Dark Winter« nur 12 Millionen Dosen zur Verfügung stehen? Sollte eine Impfpflicht eingeführt werden? (O’Toole et al., 2002, S. 977). Hier wird das schreckliche Schreckgespenst einer Impfpflicht heraufbeschworen, die gegen den Nürnberger Kodex verstößt, obwohl die wissenschaftliche Grundlage dieser Überlegungen unhaltbar ist.

Da die Impfstoffvorräte im Rahmen der Übung zur Neige gehen, wächst die Unruhe in der Bevölkerung. Es tauchen erste Falschinformationen über den Pockenausbruch auf. In Worten, die die Covid-»Lockdowns« fast zwei Jahrzehnte später vorwegnehmen, heißt es: »Schulen sind landesweit geschlossen. Öffentliche Versammlungen sind in den betroffenen Bundesstaaten eingeschränkt. Einige Bundesstaaten beschränken Reisen und nicht unbedingt notwendige Zusammenkünfte« (O’Toole et al., 2002, S. 977). Es gilt eine obligatorische Isolation der Infizierten sowie ihrer Kontaktpersonen. Auch hier basieren all diese drakonischen Maßnahmen auf wissenschaftlichem Betrug.

Da sie sich in einem sogenannten »Krieg« befinden, der bereits vor der Ausrufung des »Kriegs gegen den Terror« begann, entscheiden sich die Teilnehmer von »Dark Winter« für »ein Schnellproduktionsprogramm für einen neuen Pockenimpfstoff, trotz ungelöster Haftungsfragen«, und nehmen das Angebot eines russischen Pockenimpfstoffs an (O’Toole et al., 2002, S. 979). So wurden eine schnelle Impfstoffproduktion (unter Missachtung von Haftungsfragen und den üblichen FDA-Vorschriften) und internationale Zusammenarbeit als Ausweg vorgeschlagen – genau wie bei Covid.

Die Teilnehmer des »Dark Winter«-Szenarios »befürchteten, dass es ohne die allgemeine Mitwirkung großer Bevölkerungsgruppen nicht möglich sein würde, Impf- oder Reisebeschränkungen gewaltsam durchzusetzen« (O’Toole et al., 2002, S. 982). Sam Nunn beispielsweise stellte fest: »Die Bundesregierung ist auf die Mitwirkung des amerikanischen Volkes angewiesen. Es gibt keine Bundesbehörde, die 300.000.000 Menschen dazu zwingen kann, Maßnahmen zu ergreifen, die sie nicht ergreifen wollen.«

Das verbleibende Problem bestand also darin, wie man die Bevölkerung dazu bringen könnte, ihrer eigenen Unterdrückung zuzustimmen, und die Antwort darauf wurde im Jahr 2020 weitgehend geliefert.

Die Anhörungen im Kongress vom 23. Juli 2001

Einen Monat nach »Dark Winter«, am 23. Juli 2001, fanden zwei Anhörungen im Kongress zum Thema Bioterrorismus statt. Beiden Anhörungen war die Forderung gemeinsam, der Federal Emergency Management Agency (FEMA) eine zentrale Koordinierungsrolle bei der Reaktion auf Bioterroranschläge zu übertragen.

Der Unterausschuss für nationale Sicherheit, Veteranenangelegenheiten und internationale Beziehungen (2001) führte eine Anhörung mit dem Titel »Terrorismusbekämpfung: Reaktion der Bundesregierung auf einen Angriff mit biologischen Waffen« durch. Der Unterausschuss für internationale Sicherheit, Proliferation und Bundesbehörden (2001) führte unterdessen eine Anhörung mit dem Titel »Die Rolle der FEMA bei der Bewältigung von Bioterroranschlägen und die Auswirkungen von Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Gesundheit auf die Vorsorge gegen Bioterrorismus« durch.

Zu den Rednern bei der ersten Anhörung gehörten John Hamre (Präsident und CEO des Center for Strategic and International Studies), Frank Keating (Gouverneur von Oklahoma), der ehemalige Senator Sam Nunn (Vorsitzender und CEO der Nuclear Threat Initiative), Margaret Hamburg (Vizepräsidentin für biologische Programme bei der NTI), Jerome Hauer (Geschäftsführer bei Kroll Associates), Dean Henderson (Direktor des Johns Hopkins Center for Bioterrorism Prevention), Generalmajor Ronald O. Harrison (Adjutant General von Florida), Generalmajor William A. Cugno, (Generaladjutant von Connecticut), Dr. James Hughes und James LeDuc (Direktoren des National Center for Infectious Diseases, Centers for Disease Control and Prevention), Patricia Quinlisk (medizinische Direktorin und staatliche Epidemiologin, Gesundheitsministerium von Iowa) sowie Jeffrey Duchin (Leiter der Abteilung für die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, Epidemiologie und Impfungen, Seattle und King County, Washington).

In der ersten Anhörung erklärte Nunn vor dem Kongress, dass »die FEMA eine wichtige Rolle spielen muss«. Keating schlug vor, dass medizinisches Fachpersonal »auf Landesebene darin geschult werden sollte, […] ansteckende Krankheiten zu erkennen und anschließend – möglicherweise über die FEMA – auf das notwendige Fachwissen zugreifen zu können, um schnell reagieren zu können«. Hauer, der in »Dark Winter« die Rolle des FEMA-Direktors spielte, erklärte, dass »die FEMA die übergeordnete Behörde sein muss, die dies auf Bundesebene koordiniert und sich dann auf Behörden wie das HHS stützt, um […] Fachwissen zu erhalten«. Hamburg sagte aus, dass die »übergeordnete Koordinierungsstelle« die FEMA sein sollte. Cugno sprach sich für eine zentrale Rolle des Adjutant General aus, der in 23 US-Bundesstaaten das State Office of Emergency Management leitet und sich »der Rolle der FEMA sehr bewusst ist«.

Bei der zweiten Anhörung ging es ausschließlich um »die Rolle der FEMA bei der Bewältigung von Bioterroranschlägen«. O’Toole erklärte gegenüber dem Unterausschuss: »Ich möchte insbesondere die FEMA dazu ermutigen, Übungen zu konzipieren, zu bewerten und durchzuführen, die Schwachstellen aufdecken, die Zusammenarbeit fördern und das Bewusstsein für die Probleme und Handlungsmöglichkeiten schärfen, mit denen Entscheidungsträger im Falle eines Angriffs mit biologischen Waffen konfrontiert wären« (zitiert in: International Security, Proliferation and Federal Services Subcommittee (Unterausschuss für internationale Sicherheit, Proliferation und Bundesdienste), 2001).

Solche Optionen umfassen, nach der ersten Anhörung zu urteilen, in erster Linie Massenimpfungen und die erzwungene Isolierung beziehungsweise Quarantäne der Bevölkerung. Zum Thema Massenimpfungen merkte Hauer beispielsweise an: »Die logistische Infrastruktur, die erforderlich wäre, um die Bevölkerung von New York City, Los Angeles und Chicago zu impfen, ist einfach – wäre einfach unvorstellbar.« Hamre merkte an: »Wir müssten auf eine ganze Reihe von Bundesvorschriften verzichten, um Impfstoffe im Eilverfahren verfügbar zu machen.« » Hamburg fragte: »Was bedeutet es, in einem Notfall Medikamente oder Impfstoffe einzusetzen, die noch nicht zugelassen sind?«, und merkte an, dass man in »Dark Winter« »schon früh die Entscheidung getroffen habe, dass wir angesichts der Schwere der Lage auf jeden Fall voranschreiten würden.« Der Pseudowissenschaft von »Dark Winter« gelang es somit, das Bestreben zu legitimieren, der Bevölkerung nicht zugelassene Substanzen zu injizieren – ein dominierendes Merkmal des »Covid-19«-Debakels zwei Jahrzehnte später.

In Bezug auf erzwungene Isolation/Quarantäne sagte Hamre aus, dass man in »Dark Winter« »mit der Realität konfrontiert war, dass eine gewaltsame Einschränkung des Verhaltens der Bürger wahrscheinlich erforderlich sein würde, um diese vierte Infektionswelle zu stoppen«. Dies würde bedeuten, dass »man die eigenen Bürger unter Waffengewalt praktisch unter Hausarrest stellt«. Hauer fragte: »Ab welchem Zeitpunkt wenden wir Gewalt gegen die Bürger dieses Landes an? Und wer trifft diese Entscheidung?«, wobei er anmerkte, dass »der Einsatz militärischer Mittel« erforderlich wäre.

So hatte »Dark Winter« innerhalb eines Monats zu Empfehlungen an den Kongress geführt, gesetzliche Bestimmungen für Massenimpfungen und Hausarrest zu erlassen, die vom Militär unter der Koordination der FEMA durchgesetzt werden sollten.

Das Mustergesetz über die Notfallbefugnisse der Bundesstaaten im Gesundheitswesen

Der Model State Emergency Health Powers Act (»das Gesetz«; MSEHPA) wurde vom Center for Law and the Public’s Health (CLPH) an den Universitäten Georgetown und Johns Hopkins auf Ersuchen der CDC wenige Tage nach der Bestätigung der ersten Anthrax-Fälle am 4. Oktober 2001 ausgearbeitet (Gostin, 2003, S. 20). Sein Ziel war es, den US-Bundesstaaten die notwendigen Befugnisse zu verleihen, um den Ausbruch einer potenziell katastrophalen Krankheit zu erkennen und einzudämmen (Gostin, S. 4 – 5).

Ein erster Entwurf lag am 23. Oktober 2001 vor, und eine überarbeitete Fassung wurde am 21. Dezember 2001 veröffentlicht (MSEHPA, 2001).

Einige Formulierungen aus dem ursprünglichen Entwurf wurden in der überarbeiteten Fassung gestrichen, beispielsweise »Kontrolle von Personen« (das zu »Schutz von Personen« wurde), »obligatorische ärztliche Untersuchungen« (»medizinische Untersuchung und Testung«), »sind unverzüglich auf Anordnung der Gesundheitsbehörde durchzuführen, ohne dass eine gerichtliche oder quasi-gerichtliche Instanz eingeschaltet werden muss« (geändert in die Verpflichtung zur gerichtlichen Überprüfung) sowie »eine Person zur Impfung und/oder Behandlung einer Infektionskrankheit zu zwingen« (geändert, um Ausnahmen aus religiösen Gründen zuzulassen). Dennoch ist die ursprüngliche Absicht, Menschen durch »obligatorische« Tests und Zwangsimpfungen ohne Rückgriff auf gerichtliche Instanzen zu »kontrollieren«, eindeutig.

Das Gesetz geht von folgender Prämisse aus:

Gesundheitliche Notlagen, einschließlich solcher, die durch Bioterrorismus und Epidemien verursacht werden, erfordern die Ausübung außerordentlicher staatlicher Befugnisse […] Der Model State Emergency Health Powers Act räumt daher den Gouverneuren der Bundesstaaten und den Gesundheitsbehörden spezifische Notfallbefugnisse ein. (MSEHPA, 2001, S. 6)

Im Fall der Pocken, die in »Dark Winter« thematisiert wurden, wissen wir aus den oben genannten Gründen, dass diese Prämisse falsch ist.

Dennoch wurde auf der Grundlage dieser Prämisse eine ganze Reihe drakonischer Gesetze vorgeschlagen, insbesondere in Artikel VI (»Sonderbefugnisse während eines öffentlichen Gesundheitsnotstands: Schutz von Personen«). So sieht beispielsweise Abschnitt 602(c) vor:

Die Gesundheitsbehörde kann gemäß § 604 jede Person isolieren oder unter Quarantäne stellen, deren Verweigerung einer medizinischen Untersuchung oder eines Tests zu Unsicherheit darüber führt, ob sie einer ansteckenden oder möglicherweise ansteckenden Krankheit ausgesetzt war oder damit infiziert ist oder anderweitig eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt.

Mit anderen Worten: Jede Person, bei der der Verdacht auf eine Infektion besteht und die sich einer medizinischen Untersuchung verweigert, kann zwangsweise isoliert oder unter Quarantäne gestellt werden. Das gleiche Schicksal erwartet »Personen, die aus gesundheitlichen, religiösen oder gewissensbedingten Gründen nicht in der Lage oder nicht bereit sind, sich impfen zu lassen« (Abschnitt 603(a)(3)). Sie können bis zu 30 Tage lang in Isolation gehalten werden, wobei diese Frist verlängert werden kann.

Einer der Verfasser des »Model State Emergency Health Powers Act« ging auf einige der zahlreichen Bedenken ein, die das Gesetz zu einem »Blitzableiter für Kritik« gemacht hatten (Gostin, 2003, S. 5). In der überarbeiteten Fassung, so merkte er an, wurde klargestellt, dass das Gesetz nicht für endemische Krankheiten wie Influenza oder HIV/AIDS gedacht sei, dass die Entscheidung eines Gouverneurs sofort durch einen Mehrheitsbeschluss des Landtags außer Kraft gesetzt werden könne und dass jegliche strafrechtlichen Sanktionen für die Weigerung, Anordnungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu befolgen, gestrichen worden seien (Gostin, 2003, S. 21).

Dennoch hatte er kein Problem damit, dass solche Personen zwangsweise isoliert oder unter Quarantäne gestellt werden: »Das Mustergesetz erlaubt es den Gesundheitsbehörden nicht, Menschen gegen ihren Willen zu impfen, zu testen oder medizinisch zu behandeln. Allenfalls dürfen Personen isoliert oder unter Quarantäne gestellt werden, um die Gefahr für andere zu verringern« (Gostin, 2003, S. 26).

Solche Maßnahmen, so argumentierte er, ließen sich durch ein »Neudenken des Gemeinwohls« rechtfertigen, um dem »Wohl der Bevölkerung« mehr Gewicht zu verleihen (Gostin, 2003, S. 31). Hier sehen wir einen Vorläufer der Rhetorik vom »Gemeinwohl«, wie sie während Corona zu beobachten war. In einer Notsituation, so wird uns gesagt, müssen individuelle Rechte und Freiheiten dem »Gemeinwohl« untergeordnet werden.

Aber woher wissen wir, dass es sich um einen echten Notfall handelt? Gostins (2003) gesamte Verteidigung des MSEHPA stützt sich auf eine von den Geheimdiensten ausgeheckte Bedrohungsanalyse zum Bioterrorismus. Zum Beispiel:

Ein Bericht des National Intelligence Council für die Central Intelligence Agency kam zu dem Schluss, dass Infektionskrankheiten nicht nur ein Problem der öffentlichen Gesundheit, sondern auch ein Problem der nationalen Sicherheit darstellen: Die US-Bevölkerung ist sowohl gegenüber Bioterrorismus als auch gegenüber neu auftretenden und wiederauftretenden Infektionskrankheiten gefährdet (Gostin, 2003, S. 7).

Oder auch:

»Im Jahr 1999 kam die US-Kommission für nationale Sicherheit im 21. Jahrhundert zu dem Schluss, dass biologische Kampfstoffe die wahrscheinlichste Wahl für unzufriedene Staaten und Gruppen darstellen (Gostin, 2003, S. 8).«

Und:

»In Afghanistan sichergestellte Dokumente deuten darauf hin, dass Al-Qaida umfangreiche Forschungen zu Waffen durchgeführt hat, die Massensterben verursachen können, darunter auch biologische Waffen (Gostin, 2003, S. 9).«

Er zitiert außerdem TOPOFF und Dark Winter, die aus dem nationalen Sicherheitsapparat hervorgegangen sind.

Gostin (2003) ist sich nicht bewusst, dass diese Überlegungen auf höchst unwahrscheinlichen wissenschaftlichen Annahmen beruhen. Stattdessen betont er, dass gemäß Artikel IV des Gesetzes »ein Gouverneur einen Gesundheitsnotstand nur dann ausrufen darf, wenn eine Reihe strenger Schwellenbedingungen erfüllt sind«, darunter »eine hohe Wahrscheinlichkeit einer großen Zahl von Todesfällen« und/oder Behinderungen (2003, S. 17). Technisch gesehen muss niemand gestorben sein; es muss lediglich eine »unmittelbare Gefahr durch eine Krankheit oder einen Gesundheitszustand« bestehen (Gostin, 2003, S. 17). Daher hängt die Legitimität des Gesetzes vollständig davon ab, ob die Bedrohungsanalyse glaubwürdig ist. Nach den Erkenntnissen aus »Dark Winter« ist dies eindeutig nicht der Fall.

Auswirkungen auf die Politik, den Diskurs im Bereich der öffentlichen Gesundheit und das Bildungswesen

Die Arbeit von O’Toole, Inglesby und Henderson zwischen 1999 und 2001 zielte eindeutig darauf ab, Schreckensszenarien zu entwerfen, die dem militärisch-pharmazeutischen Komplex zugutekommen sollten. Diesbezüglich war sie erfolgreich. Ihre Szenarien waren zwar reine Hirngespinste, hatten aber dennoch reale Auswirkungen.

So wurden beispielsweise nach der Anthrax-Panik im Jahr 2001 die Prioritätenlisten der USA im Bereich Bioterrorismus aktualisiert, als die CDC ihre Liste der besonders bedrohlichen biologischen Kampfstoffe auf der Grundlage der Schlussfolgerungen von Henderson und seiner Arbeitsgruppe für zivile Biodefense überarbeitete (Billauer, 2017, S. 349). Die Pocken nahmen dabei als gefährlichster Bioterrorismus-Kampfstoff der Klasse A einen herausragenden Platz ein.

Das Mustergesetz über Notfallbefugnisse im Gesundheitswesen (Model State Emergency Health Powers Act) diente fortan als »wichtiger Impulsgeber für Maßnahmen der Bundesstaaten im Bereich der Vorbereitung auf Bioterrorismus« (Martin, 2004).

Nunn erklärte im Juli 2001 vor dem Kongress, dass ein US-Gesundheitssystem, das in der Lage ist, der Bedrohung durch Bioterrorismus zu begegnen, »einige erhebliche finanzielle Mittel erfordern« werde (zitiert in: International Security, Unterausschuss für Proliferation und Bundesdienste, 2001). Der »Project BioShield Act« von 2004 bewilligte über einen Zeitraum von zehn Jahren 5,6 Milliarden US-Dollar, um die Entwicklung und Beschaffung medizinischer Gegenmaßnahmen gegen chemische, biologische, radiologische und nukleare (CBRN) Bedrohungen zu beschleunigen. Bis 2017 beliefen sich die Mittelzuweisungen für die US-Biodefense auf 80 Milliarden US-Dollar (Billauer, 2017, S. 355 – 356). Solche massiven Ausgaben entziehen Ressourcen für alltäglichere Belange der öffentlichen Gesundheit wie die Bekämpfung von infektiösem Durchfall, der jährlich zwei Millionen Menschenleben fordert (Billauer, 2017, S. 413).

O’Toole forderte »ein umfangreiches Forschungs- und Entwicklungsprogramm, an dem biomedizinische Fachkräfte aus der Privatwirtschaft und den Universitäten beteiligt sind« (zitiert in: International Security, Proliferation and Federal Services Subcommittee, 2001). Die Bundesausgaben schufen für Institutionen und Einzelpersonen erhebliche Anreize, Ergebnisse zu erzielen, die mit der Agenda der biologischen Verteidigung im Einklang standen – selbst wenn dies mit einer Verzerrung der Fakten und der wissenschaftlichen Beweislage einherging.

Im Diskurs über die öffentliche Gesundheit vollzog sich ein Wandel hin zu einer unkritischen Befürwortung von Impfstoffen. Wie Schrader & Campion (2003) es formulierten: »Die Frage der öffentlichen Gesundheit hat sich von ›Sind wir durch einen Pockenangriff gefährdet?‹ zu ›Wen sollten wir impfen?‹ gewandelt.« Ihre eigene Haltung lautete: »Wenn es nötig ist, müssen auch wir die Ärmel hochkrempeln und uns impfen lassen« – perfekte Folgsamkeit, hervorgerufen durch eine Reihe wissenschaftlicher Fantasien und Märchen.

Bis 2007 betrieben die Vereinigten Staaten über 1.350 Biosicherheitslabore der Stufe 3 und 15 Labore der Stufe 4, angeblich zum Schutz vor Bioterrorismus und Pandemien. Angesichts der Tatsache, dass diese Bedrohungen offenbar maßlos übertrieben sind und die Forschungsergebnisse dieser Labore »bestenfalls undurchsichtig« sind (Billauer, 2017, S. 351), könnte man sich fragen, was dort sonst noch vor sich geht.

Während der Anhörungen zur Bestätigung von O’Toole als Staatssekretär im Ministerium für Innere Sicherheit im Jahr 2009 merkte der demokratische Senator Carl Levin aus Michigan an, dass »viele führende Wissenschaftler erklärt haben, die Übung ›Dark Winter‹ beruhe auf fehlerhaften und übertriebenen Annahmen hinsichtlich der Übertragungsrate von Pocken« (zitiert in Kennedy Jr., 2021, S. 386). Dies verhinderte jedoch nicht O’Toole’s Ernennung, da die übertriebenen Annahmen ein fester Bestandteil der »inneren Sicherheit« sind.

Im Zusammenhang mit »Covid-19« beriefen sich US-Bundesstaaten auf den »Model State Emergency Health Powers Act« (einschließlich späterer Überarbeitungen). Wie von Kritikern in der Anfangsphase befürchtet, diente das Gesetz dazu, »eine beispiellose Zunahme einseitiger Gesetzgebungsmaßnahmen durch Gouverneure« zu legitimieren und untergrub damit die demokratische Legitimität (Weiss, 2021, S. 1853). Und das, obwohl das Gesetz »nicht für chronische Notfälle wie COVID-19 gedacht war, bei denen einseitige Entscheidungen über ein Jahr lang getroffen wurden, oder für Maßnahmen wie Abstandsregeln oder Massenlockdowns« (Weiss, 2021, S. 1876 – 1877).

Schlussfolgerung

Die ehemalige Ministerin für Gesundheit und Soziales, Donna Shalala, erklärte am 22. Januar 1999 bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus: »Der Bioterrorismus ist vielleicht das erste Mal in der amerikanischen Geschichte, dass das öffentliche Gesundheitswesen direkt in das nationale Sicherheitssystem eingebunden wird« (»Press Briefing«, 1999).

Genau darum ging es bei den frühen Bioterrorismus-Simulationen, an denen Wissenschaftler der Johns Hopkins University zwischen 1999 und 2001 beteiligt waren. Dasselbe gilt für die zahlreichen Simulationen zur »Pandemievorsorge«, die seitdem stattgefunden haben. Im Wesentlichen schlagen sie Maßnahmen vor, mit denen das öffentliche Gesundheitssystem unter die Kontrolle des nationalen Sicherheitsapparats gebracht werden soll.

Die von O’Toole (1999) und Inglesby (1999) entworfenen Szenarien zu Pocken und Milzbrand, die 3-Millionen-Dollar-Übung »TOPOFF« sowie »Dark Winter« zielten alle darauf ab, die öffentliche Wahrnehmung zu verändern. Die Wahrscheinlichkeit eines groß angelegten bioterroristischen Anschlags in den Vereinigten Staaten sollte als realistisch und glaubwürdig vermittelt werden, um neue Maßnahmen zur Bewältigung der angeblichen Bedrohung vorschlagen zu können. Wie beim »Krieg gegen den Terror« im Allgemeinen übertragen diese Maßnahmen der Exekutive unverhältnismäßige Macht und stellen einen Affront gegen eine freie Gesellschaft dar.

Genauso wie es wissenschaftlich unmöglich ist, dass zwei Flugzeuge am 11. September 2001 drei Wolkenkratzer zum Einsturz gebracht haben, sind auch die Bioterrorismus-Szenarien der Johns Hopkins University von wissenschaftlichem Betrug durchdrungen. Praktisch alle ihre zentralen Annahmen, ganz sicher was die Pocken betrifft, sind fehlerhaft. Angesichts der Tatsache, dass »Dark Winter« mit hoher Präzision vorhersagt, was sich später nach den Anschlägen vom »11. September« abspielen würde, ist es nahezu ausgeschlossen, dass die Autoren dieser Szenarien sich einfach »geirrt« haben.

Vielmehr trugen sie aktiv dazu bei, eine neue Realität zu schaffen, in der sich die Öffentlichkeit ständig durch die Möglichkeit von Terroranschlägen mit Massenvernichtungswaffen bedroht fühlte und bereit war, entsprechend auf ihre Freiheiten zu verzichten. Wie Billauer (2017, S. 347) es formuliert: »Anstatt tatsächliche Massenvernichtungswaffen zu simulieren, schafft die Übung [Dark Winter] im Grunde genommen künstlich Waffen der Massenhysterie.«

Damit wurde ein Präzedenzfall geschaffen, der bis heute Bestand hat: Bei der Einschätzung von Bioterrorismus-Bedrohungen und der Pandemieplanung werden durchweg mathematische Modelle herangezogen, um »plausible Worst-Case-Szenarien« zu erarbeiten, wobei jedoch die biologische Plausibilität, relevante historische Daten und die moderne medizinische Praxis außer Acht gelassen werden.

Frühere Pandemieprognosen zu Vogelgrippe, Pocken, Milzbrand, Schweinegrippe und Ebola haben die Inzidenz und Sterblichkeit der Krankheiten grotesk überschätzt, was die Mängel der aktuellen Modelle verdeutlicht und in einigen Fällen zu negativen gesundheitlichen Folgen geführt hat, die schwerwiegender waren als bei jeder realistischen Epidemie (Billauer, 2017, S. 347).

Genau das Gleiche galt für »Covid-19«. Die Bedrohung wurde maßlos übertrieben dargestellt (Hughes, 2024, Kap. 4), während sich die zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen für viele Menschen als katastrophal erwiesen.

Ein Vierteljahrhundert nach den Anthrax-Anschlägen in den USA, die vom »Deep State« verübt wurden (MacQueen, 2014), hat es immer noch keinen größeren bioterroristischen Anschlag auf ein westliches Land gegeben. Dies widerlegt jahrzehntelange Panikmache, wonach ein solcher Anschlag unvermeidlich sei, da er angeblich so leicht durchgeführt werden könne.

Letztendlich sollten wir Bioterrorismus und die Planung zur »Pandemievorsorge« als grundsätzlich illegitim betrachten. Bei ihnen geht es nicht darum, die Öffentlichkeit vor tödlichen Krankheiten zu schützen, sondern vielmehr darum, raffinierte Wege zu finden, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, ihre Freiheiten aufzugeben.

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Das englische Original erschien auf David A. Hughes Website

Bild: Die Hände eines Labortechnikers, der einen mit Anthrax versetzten Brief hält, nachdem er diesen sicher geöffnet hat; der Brief war an Senator Leahy adressiert und wurde im Dezember 2001 im Rahmen der »Amerithrax«-Ermittlungen im biomedizinischen Forschungslabor der US-Armee in Fort Detrick sichergestellt (Federal Bureau of Investigation – https://multimedia.fbi.gov/item?type=image&id=162, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=144755649)

David A. Hughes hat in Germanistik und Internationalen Beziehungen promoviert und hält Vorlesungen in Bereichen wie Sicherheitsstudien, Theorie der Internationalen Beziehungen, Analyse der Außenpolitik, Globalisierung und US-Exzeptionalismus. Seine Forschungsschwerpunkte sind psychologische Kriegsführung, »9/11«, »COVID-19«, der tiefe Staat, Geheimdienstkriminalität, Technokratie, wiederauflebender Totalitarismus und die Klassenbeziehungen hinter psychologischen Operationen. Eine Auswahl seiner Arbeiten ist auf Academia.edu zu finden. David ist Associate Researcher bei der Working Group on Propaganda and the 9/11 Global »War on Terror«.

One thought on “Frühe Bioterrorismus-Szenarien der Johns Hopkins University

  1. Die beruhigende Nachricht: es gibt zwar GOF-Forschung - aber es wird nie »Viren-Waffen« geben.

    Warum?

    1. ändern sich auch veränderte Viren in der Natur mit hoher Geschwindigkeit. Eine »Waffe« die sofort nicht mehr das ist, als was sie konstruiert wurde? Ziemlich unsinnig.

    2. die theoretische Gefahr, dass sie auf den Verursacher selbst zurückfallen könnte. Dies ist nur wichtig im Zusammenhang mit den Bestrebungen der Forscher. Wer würde eine Waffe schaffen wollen die, angewandt, ihn selbst vernichten könnte?

    3. die Virologie ist eine »Wissenschaft«, die sich mit Objekten befasst, die sie selbst nicht kennt, nicht versteht, nicht einmal begrifflich klar fassen kann (Exosome Viren?; zerstören Viren Zellen, oder erzeugen geschädigte Zellen Viren?; …?), deren Funktion in der Natur schleierhaft ist und bleibt und auch daher nicht richtig eingeordnet werden kann, und deren einziges bestreben ist, von Geldgebern sich ihre Weiterexistenz und Folgeforschung finanzieren zu lassen indem sie Pseudowissenschaft mit angeblichen Pseudoanwendungsmöglichkeiten simuliert.

    (Natürlich gibt es Biowaffenforschung und Biowaffen. Aber die einzig gefährlich Art besteht in der Erforschung effektiver Arten der Produktion, Stabilisierung und Ausbringung von Biotoxinen wie zB Anthrax.)

    Merke: Viren sind nicht das Problem!

    Viren sind immer und überall. Sie bilden nur ein Problem für Menschen mit geschwächten Immunsystemen. Und nur wenn in einer lokal räumlich eng verbundenen Gruppe von Menschen alle oder viele geschwächt sind, kann es eine gefährliche Seuche geben. Anders sind Seuchen nicht möglich! (Deshalb sind die meisten Virenforscher, Virenwarner und »Virenfunktionäre« (wie ein Wieler, …) Veterinäre -> Massentierhaltung!)

    Und darum ist die Gefahr, der wir ausgesetzt sind die, dass wir MENTAL geschwächt werden. Und einzig dazu dient das ganze Geschwätz von Viren und Seuchen und Epidemien und Pandemien: um uns Angst zu machen und um uns damit anfällig zu machen.

    Leider wird solches Geschwätz auch von angeblichen Aufklärern produziert.

    Jeder der irgendwie von irgend einer Art von Virengefahr schwafelt, jeder, der eine angeblich erfolgte oder angeblich mögliche weltweite gefährliche Seuche behauptet, davor warnt oder zur Voraussetzung seiner Thesen macht, ist ein Desinformant und mentaler Menschenvergifter.

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