Verteidigungsminister bestätigt: Der israelischen Armee wurde am 7. Oktober befohlen, Israelis zu töten

Israelische Truppen hatten den Befehl, gefangene israelische Zivilpersonen am 7. Oktober 2023 zu erschießen, wie Israels damaliger Verteidigungsminister diese Woche zugab.

Der Befehl, Israels sogenannte Hannibal-Direktive auszuführen, sei »taktisch« und »an verschiedenen Orten« nahe dem Gazastreifen erteilt worden, sagte Joaw Galant am Donnerstag dem israelischen Sender Kanal 12. »An anderen Orten wurde er nicht erteilt, und das ist ein Problem«, fuhr er fort.

In seiner Befragung Gallants stellte der Journalist Amit Segal für die Zuschauenden klar, die Hannibal-Direktive bedeute, »dass man schießen soll, um zu töten, wenn sich in einem Fahrzeug eine israelische Geisel befindet« eine Charakterisierung, die Gallant nicht bestritt.

Gallant sprach in seinem ersten Interview mit dem israelischen Fernsehen seit seiner Entlassung im November.

Das obige Video zeigt einen Ausschnitt mit [englischen] Untertiteln; das vollständige Interview ist auf Hebräisch auf der Website von Kanal 12 sehen.

Erstes öffentliches Eingeständnis

Entgegen Gallants Behauptung, die Hannibal-Richtlinie sei nicht einheitlich in verschiedenen Gebieten angewandt worden, berichtete die israelische Zeitung Yediot Ahronot im Januar 2024, dass am 7. Oktober um die Mittagszeit vom Oberkommando des israelischen Militärs ein eindeutiger Befehl erteilt wurde, die Hannibal-Direktive in der gesamten Region anzuwenden.

Der Befehl wurde erteilt, »selbst wenn dies bedeutet, das Leben von Zivilpersonen in der Region zu gefährden oder zu schädigen, einschließlich das der Gefangenen selbst«, berichteten die israelischen Journalisten Ronen Bergman und Joaw Zitun.

Im Juli berichtete die israelische Zeitung Haaretz, dass an diesem Tag um 11:22 Uhr die Gaza-Division des israelischen Militärs den Befehl erhielt: »kein einziges Fahrzeug kann nach Gaza zurückkehren«.

Die neue Erklärung von Gallant ist jedoch von großer Bedeutung, da es sich um das erste öffentliche Eingeständnis eines amtierenden israelischen Ministers handelt, dass die Truppen am 7. Oktober den Befehl hatten, auf die eigenen Leute zu schießen.

Die Hannibal-Direktive, eine Militärdoktrin, die von israelischen Generälen erstmals in den 1980er Jahren im Geheimen ausgegeben wurde, ist Israels nationaler Mord-Suizid-Pakt.

Ursprünglich besagte sie, dass israelische Truppen auf andere israelische Truppen schießen dürfen, die zuvor von palästinensischen oder anderen arabischen Widerstandskämpfenden gefangen genommen wurden.

Beispiellos

Am 7. Oktober 2023 eroberten palästinensische Kämpfende in einer beispiellosen militärischen Offensive das an den Gazastreifen angrenzende Land zurück, das seit 1948 an die Israelis verloren gegangen war.

Rund 250 israelische Militär- und Zivilpersonen wurden von der Hamas und anderen bewaffneten palästinensischen Gruppen in der Operation gefangen genommen, die sie »Al-Aqsa-Flut« nannten.

Darauf reagierte Israel mit der Reaktivierung der Hannibal-Doktrin und dehnte sie von israelischen Militärangehörigen auf Zivilpersonen aus.

Im fehlgeschlagenen Versuch, palästinensische Kämpfer daran zu hindern, lebende israelische Gefangene zu nehmen, die dann später gegen palästinensische Gefangene ausgetauscht werden sollten, wurde von israelischen Hubschraubern, Drohnen, Panzern und sogar Bodentruppen absichtlich das Feuer eröffnet.

Etwa 1.100 Israelis wurden getötet. Noch immer ist unklar, wie viele von ihnen durch Israelis und wie viele durch Palästinenser getötet wurden. Eine Untersuchung der Electronic Intifada ein Jahr danach ergab, dass mindestens »Hunderte« von Israel getötet wurden.

Offiziellen Zahlen zu Folge, die im vergangenen Monat erstmalig veröffentlicht wurden, setzte die israelische Luftwaffe am 7. Oktober »während der Kämpfe« 11.000 Granaten, mehr als 500 schwere Ein-Tonnen-Bomben und 180 Raketen ein.

Eine unabhängige Untersuchungskommission der Vereinten Nationen kritisierte im vergangenen Jahr, dass die israelischen Behörden ihnen den Zugang zum Land verwehrten.

»Israelische Beamte weigerten sich nicht nur, bei der Untersuchung der Kommission zu kooperieren, sondern hinderten Berichten zufolge auch medizinische Fachkräfte und andere Personen daran, mit ihr in Kontakt zu treten«, heißt es im Untersuchungsbericht.

Original mit Übersetzungen von David Sheen.

Dieser Artikel erschien erstmalig in der Electronic Intifada in Englisch am 7. Februar 2025

Asa Winstanley ist investigativer Journalist und Mitherausgeber der Electronic Intifada. Er ist Autor des Buches »Weaponising Anti‐​Semitism: How the Israel Lobby Brought Down Jeremy Corbyn« (OR Books, 2023).

Bild: IDF Reserveübung 2011, Wikimedia | Israeli Defense Forces

One thought on “Verteidigungsminister bestätigt: Der israelischen Armee wurde am 7. Oktober befohlen, Israelis zu töten

  1. Es ist schon erstaunlich wie die »einzige Demokratie in Nahost« und »unser Wertepartner« auf die barbarischsten Mittel zurückgreift, um sein Umfeld in Schach zu halten.

    Auch das vortestamentarische »für einen von uns hunderte von euch« wird angewandt. Nicht einmal zu dem präzivilisatorische Niveau des »Auge um Auge, Zahn um Zahn« des »Alten Testaments« (die Regeln der Blutrache) kann man sich aufringen.

    Es sind einfach nur übelste Barbaren, die dort wüten und jede Menschlichkeit mit Füßen treten. Und »wir« unterstützen das (mit unseren Steuergeldern).

    Die vorsintflutlichste aller Religionen untersteht »unserem« unverbrüchlichem Schutz.

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